Severancology // TEIL 1 Die Basics für Einsteiger: was ist Severance?

Kennt Ihr die Science Fiction-, Drama-, Thriller- und Mystery-Serie SEVERANCE, die seit einiger Zeit bei Apple TV+ läuft ? Nein? Die solltet Ihr Euch unbedingt mal anschauen, wenn Ihr die genannten Genres mögt oder wenn Ihr einfach auf brutalen Mindfuck steht. Für einen ersten Eindruck habe ich Euch hier den deutschen Trailer verlinkt.

Alleine an der Vielzahl von Genres, die man SEVERANCE zuordnen kann, sieht man vielleicht schon, dass die ganze Sache recht komplex ist. Die Serie, die unter der Regie und Produktion von Ben Stiller enstanden ist und mittlerweile 2 Staffeln hat, spielt in einer nicht näher genannten Zeit (eine Variante der momentanen Gegenwart, mit anachronistischen, aber auch modernen Elementen) in einem nicht näher genannten Bundesstaat in den USA, der PE abgekürzt wird (den gibt es nicht) und handelt von Menschen, die in einer mysteriösen, sehr großen Firma arbeiten: Lumon Industries.

Ab jetzt gibt es viele kleine Spoiler, sonst kann ich das Thema leider nicht erklären und analysieren. Wer die Serie schon kennt: prima, dann könnt Ihr unbesorgt weiterlesen. Falls nicht: entscheidet selbst, ob Ihr mit ein paar Spoilern leben könnt.

Sorry, geht leider nicht anders…

Die meisten Rezensionen, die man im Netz findet, sehen in SEVERANCE eine Serie, die auf die Zustände in der modernen Arbeitswelt Bezug nimmt, aber das ist viel zu kurz gegriffen. Mir hat sich beim Zuschauen noch etwas ganz anderes förmlich aufgedrängt, das ich Euch in diesem Artikel beschreiben möchte: die unwahrscheinliche Ähnlichkeit zwischen SEVERANCE und Scientology.

Weil das Thema sehr vielschichtig ist, habe ich mich entschlossen, es in mehrere Artikel zu splitten. In diesem Artikel schreibe ich zunächst über die Basics, damit Ihr einen Überblick bekommt, worum es überhaupt geht und worauf ich hinaus will.

Das SEVERANCE-Programm

Ein SEVERANCE-Chip in Originalverpackung © content.severance.wiki / CC Attribution-Share Alike 4.0 International

Bei Lumon Industries, einer geheimnisvollen, riesigen Firma, gibt es Abteilungen, die so „mysteriös und wichtig“ sind, dass die Mitarbeitenden sich vor der Einstellung freiwillig einer radikalen, nicht mehr umkehrbaren Gehirnoperation unterziehen müssen, bei der ein Chip in das Gehirn implantiert wird. Dieser Chip sorgt dafür, dass der Mensch fortan in zwei Teile gesplittet ist: in die Privatperson (genannt Outie, also derjenige Teil von einem, der „draußen“ lebt, also der private Mensch nach Feierabend) und die werktätige Person (der Innie – der Teil der Person, der sich auf der Arbeit befindet, also innerhalb von Lumon).

Der jeweilige Modus, also ob man gerade Innie oder Outie ist, wird im Aufzug zur SEVERANCE-Etage aktiviert. Fährt man nach oben, wird der in das Gehirn implantierte Chip in den Innie-Modus geschaltet und wenn man mit dem Aufzug nach der Arbeit wieder nach unten fährt, wird das Gehirn in den Outie-Modus geschaltet. So weit, so krass.

Das bedeutet, dass die Person während des Privatlebens keinerlei Erinnerungen an die Arbeit hat und während der Arbeit nicht weiß, wie ihr Privatleben aussieht. Heißt auch: es gibt faktisch zwei Personen, die in einem Menschen stecken. Durch die vollständige Trennung des privaten und beruflichen Erlebens ist der Mitarbeiter sozusagen eine multiple Persönlichkeit. Und zwar unumkehrbar (zumindest in der Theorie; in der Praxis wurde schon eine „Re-Integration“ versucht, allerdings mit mäßigen Erfolgen und in der Folge schweren Psychosen und Halluzinationen).

Die Implanatation des Chips wird ambulant bei Lumon durchgeführt. Danach werden die neuen Mitarbeiter auf einen Konferenztisch gelegt und mittels eines Lautsprechers, der Fragen stellt und einem Mitarbeiter, der mehr oder weniger sanft erklärt, wo man sich befindet (man weiß es ja noch nicht – die Erinnerung an das Privatleben ist nicht verfügbar und das Berufsleben bei Lumon beginnt gerade erst) wird man auf seine zukünftige Rolle als Lumon-Mitarbeitender vorbereitet. Das geht natürlich nicht ohne Widerstand, denn es ist ja so, als würde man in ein neues, bisher unbekanntes Leben hineingeworfen. Und dann wird man zum Arbeitsplatz bei Macrodata Refinement gebracht – jener ominösen Abteilung, die die mysteriösen und wichtigen Dinge tut.

Macrodata Refinement („MDR“)

Ein MDR-Terminal © content.severance.wiki / CC Attribution-Share Alike 4.0 International

Da niemand so genau weiß, was Lumon eigentlich so treibt, ist die Abteilung MDR auch ein sehr großes Rätsel: Mitarbeitende identifizieren an retrofuturistischen Terminals „merkwürdig aussehende“ Zahlen und befördern sie mittels Trackball in verschiedene „Kästchen“ auf dem Bildschirm. Was an den Zahlen merkwürdig ist, weiß man nicht so genau, denn es ist nirgends genau definiert. Man bekommt die Aussage, dass man „nach einer gewissen Zeit schon sehe, wenn etwas nicht mit den Zahlen stimmt“.

Der Supervisor, ein gewisser Mr. Milchick, ist vordergründig recht nett und lächelt häufig, ist aber ein komplett undurchschaubarer Mensch. Auch die Kollegys aus anderen Abteilungen wirken ziemlich bizarr und verhalten sich auffällig. Da gehe ich jetzt aber nicht in die Tiefe, das sollte man sich besser in der Serie anschauen.

Fazit: ein merkwürdiger Mikrokosmos

So launig der Trailer auch wirkt, er wird der Serie nicht ganz gerecht. Denn es handelt sich um eine Mystery-Science-Fiction-Thrillerserie, die ihren eigenen Regeln folgt. Eines ist sie aber ganz sicher nicht: Comedy. Es gibt zwar Szenen, die so absurd sind, dass man unweigerlich lachen muss, aber daraum geht es bei SEVERANCE nicht. Es ist eine Serie über ein großes Rätsel, einen mysteriösen Konzern und Methoden der Gedankenkontrolle.

Viele Rezensenten und Kritiker sehen daher in SEVERANCE eine absurd-überspitzte Analogie zur heutigen Arbeitswelt und das Ausbeuten von Berufstätigen, aber das trifft meiner Meinung nach nicht den Kern des Ganzen. Denn es geht eigentlich um etwas ganz anderes:

Gedankenkontrolle von Menschen innerhalb eines pseudoreligiösen Kultes

Und da wären wir schon bei den Parallelen, die ich zu Scientology sehe – dieser Pseudo-Religion, die auch primär dazu dient, Menschen psychologisch und mittels Gehirnwäschemethoden unter Kontrolle zu halten.

In Teil 2 werde ich in die Tiefe gehen und die Parallelen erklären, so gut es geht. Bleibt dran, wenn es Euch interessiert.

Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin oft kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohne ich am Mittelrhein. Und ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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