COUCHSURFING-PROJEKT: Osterwochenende mit D.

Am Sonntag ging es auch direkt weiter mit der Gästebewirtung. Ich verstehe das ja wirklich als Bewirtung und fände es unhöflich, meinen Gast so einfach „links liegen zu lassen“ und ihm nicht mal ein bißchen die Gegend zu zeigen oder ihn gar zu ignorieren.  Denn nichts ist ätzender, als wenn man als Gast bei einem gelangweilten oder gar unwilligen Menschen wohnt.

Also haben wir schön gefrühstückt, uns in Ruhe fertig gemacht, Danielle hat noch ihre Mails gecheckt, und um 13.00 waren wir schon mit Silke verabredet, die mit uns eine Stadtführung durch Braubach gemacht hatte.

Braubach ist ein wirklich schönes kleines Fachwerkstädtchen, 10 km von Koblenz entfernt, das für Besucher von außerhalb immer wieder hübsch anzusehen ist. Zu Fuß sind wir dann noch auf die Marksburg gewandert, im Schweiße meines Angesichts ;-) . Und eine Burgführung haben wir mitgemacht und alles gesehen, was es auf so einer Burg zu sehen gibt, also Folterkammer, die viel zu kleinen Betten und Türen, die Küche und Türme usw. Ich bin ja ein gebürtiger Braubacher, aber so oft habe ich das auch noch nicht gesehen, weil ich nie „richtig“ dort gewohnt hatte.

Bad EmsNoch ein Eis, dann haben wir uns von Silke verabschiedet und einen Abstecher nach Bad Ems gemacht, eine kleine Kurstadt an der Lahn. Aber das war ja eine Überraschung für Danielle! Sie mag Art Decó, Art Nouveau und Jugenstil doch so unheimlich gerne, und da kam sie natürlich voll auf ihre Kosten! Das Kurhaus, die Jugenstilvillen und das tolle Wetter haben uns sehr gut gefallen, und man geht mit ganz anderen Augen durch das Leben, wenn man jemanden dabei hat, der gerade ziemlich begeistert ist. Im Kurhauscafé gab’s noch ganz dekadent einen Sekt auf Eis im Freien bei tollem Wetter und wir freuten uns des Lebens.

Nach einem tollen Tag sind wir dann gegen 20.00 Uhr Richtung „heim“ gefahren, aber wir hatten noch einen Plan, nämlich auf meiner „Dachterrasse“ zu Abend zu essen. Das ist eigentlich keine richtige Terrasse, sondern ein Stück Garten hinter dem Flachdach meines Hauses, mit Tisch und Stühlen. Natürlich mussten wir erstmal Futter zubereiten, und es gab ganz schnell und einfach Bratwurst, Speck und Zwiebeln, Buttergemüse mit Soße und Nudeln. Zum Kochen haben wir schon den ersten Rotwein (Barolo) geöffnet, Danielle hat uns ein paar „Aperitifbrote“ geschmiert, hergestellt aus unseren übrig gebliebenen Frühstücksbaguettes. Feine Idee! Dann ging’s hoch zum Dach und wir haben uns ein perfektes Open-Air-Abendessen gegönnt.

Es ist angerichtet!Das Dachdinner

So haben wir lange im Freien gesessen, noch eine Flasche Wein geleert (Rioja), gut gegessen, uns im Kerzenschein stundenlang unterhalten und sind um 1.00 Uhr total müde in unsere Betten getapert.

Am nächsten Morgen sind wir gegen 9.30 Uhr aufgestanden und nach Blogeintragschreiben, duschen und frühstücken wieder nach Koblenz gefahren. Es war die Hölle los. Klar, Ostern, schönes Wetter, Touristen, Mittelrhein und all‘ das andere Trallala :-) .  Nach einem Rundgang über die Touri-Meile am Konrad-Adenauer-Ufer führte ich uns wieder in die Altstadt, um ‚Jelle‘ auch mal den Schängelbrunnen zu zeigen – irgendwie das Gegenstück zum ‚Manneken Pis‘ in Brüssel – nur, dass unser Exemplar spuckt statt pisst ;-)

Der Schängel spuckt

Weiter ging’s zum Café Milljöh in die Gemüsegasse, das es schon viele Jahre gibt und durch eine wirklich bemerkenswerte Auswahl an Getränken und leckerem Essen besticht. Die charmanten, aber leicht verpeilten studentischen Kellnerinnen, die allesamt jung und einigermaßen ansehnlich sind ;-) haben es immer geschafft, meinen „latenten Servantilismus“ (da müsst Ihr selbst suchen, was das bedeutet) zu „bedienen“, aber selten, eine korrekte Rechnung auszustellen (die sind fast immer zu niedrig). Aber das gehört eben dazu im Café Milljööh :-D

Danielle trinkt ihren "Tinto de Verano" - oder so :-)

Später sind wir noch im Chaopraya, dem Thailänder meines Vertrauens, lecker Essen gewesen. Obwohl der Laden brechend voll war, haben wir noch einen Platz bekommen und wurden freundlich und flott bedient. Es gab die „Reistafel A“ mit Sateespießen, Huhn in Kokossauce, Rindfleisch mit Chaopraya-Sauce, fritierten Garnelen, knuspriger Ente, Thai-Salat und Dessert (Eis mit Früchten, Sahne und Soße). Dazu Singha-Bier für Danielle und Hefeweizen für mich und noch einen Sake. Was soll ich sagen, wir waren brechend vollgefressen! Hervorragend gut!

Interessant ist, dass das Essen in Belgien viel viel teurer ist – Danielle erzählte, dass ein „Business-Dinner“ (die Low-Cost-Variante, ähnlich einem Mittagsmenü) in einem 1-Sterne-Restaurant in Gent oder Brüssel mit satten 160,- € zu Buche schlägt!!! Und normale Restaurants sind in Belgien etwa doppelt so teuer wie bei uns daher freute sie sich über die in ihren Augen super-niedrigen Preise für Essen & Trinken in Deutschland.

Morgen fährt Danielle wieder, und ich muss sagen, dass mein erstes CouchSurfing-Erlebnis sehr, sehr positiv war und ich mich freue, wenn ich diese nette Dame irgendwann im Spätsommer oder Herbst mal in ihrer belgischen Heimatstadt, Aalst, besuchen darf. Es war eine wirklich tolle Erfahrung!


P.S.: wer sich das Ganze mal aus Danielles Sicht ansehen möchte – hier ist ihr Blog (sie arbeitet als EDV-Lehrerin für Senioren und lässt die Herrschaften an ihren Erlebnissen teilhaben). Man muss allerdings ein wenig niederländisch bzw. flämisch verstehen.

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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2 Kommentare
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Silke

Zitat: „im Schweiße meines Angesichts“… *rofl* so kann man die Geräusche natürlich auch umschreiben *unschuldigguck*. War auf jeden Fall ein netter Nachmittag, auch wenn meine hohen Hacken mit dünner Sohle nicht für Stunden spazieren über spitze Steine etc. konzipiert sind ;-)