Jetzt geht’s zum deep dive in das eigentliche Thema von Plur1bus. Die grobe Handlung habe ich ja in Teil 1 schon skizziert. Jetzt wollen wir uns mal das eigentliche Dilemma genauer anschauen. Und vielleicht war Euch beim Schauen der Serie ja auch immer so ein bisschen unwohl, weil Ihr nicht so recht wusstet, wie Ihr selbst in so einer Situation reagieren würdet.
THEMEN IN DIESEM BEITRAG
Die kollektive Zufriedenheit
Wer mit dem Aliensignal-RNA-Virus infiziert wurde, ist ja bekanntermaßen Teil eines großen Ganzen, nämlich der gesamten Menschheit (bis auf ca. 13 Ausnahmen, die aus biologischen Gründen nicht infiziert werden konnten). Aber nicht so wie in anderen Zukunftsszenarien, in denen nach irgendwelchen Apokalypsen oder Virusinfektionen die Menschen zu fiesen, grausamen Kreaturen mutieren, ist es hier anders: die Menschheit ist endlich vereint und glücklich!
Die Mitglieder des Kollektivs sind immer freundlich, hilfsbereit, altruistisch und um das Wohl aller bemüht. Sie können nicht lügen, erfüllen jeden Wunsch (sogar den nach einer Handgranate), tun niemandem etwas zuleide und möchten sich, ihre Mitmenschen und den Planeten schützen und ihnen helfen, wo immer es geht. Selbst Wünsche, die gegen das Kollektiv gerichtet sind, werden erfüllt.
Das Kollektiv ist allerdings auch überraschend dünnhäutig, denn Beschimpfungen und böse Worte haben gravierende Folgen: als Carol ihre Begleiterin Zosia mit üblen Schimpfworten massiv verbal zusammenfaltet, erleidet diese einen schlimmen Krampfanfall. Da aber Zosia Teil des Kollektivs ist, erleiden die Menschen einen kollektiven Krampfanfall, was zur Folge hat, dass ein paar Millionen das nicht überleben.
Carol, die Kackbratze
Sie ist zynisch, kackbratzig, latent zum Kotzen und schlagfertig. Nicht wirklich eine bösartige Person, sondern eher das Modell Antiheld. Man möchte ihr manchmal in die Fresse hauen, wenn alle Freundlichkeiten, jede Form von Liebe und Zuneigung und Empathie an ihr abprallen und sie den Vertretern des Kollektivs gegenüber frech wird. Sie hat sich nicht damit abgefunden, dass der Rest der Menschheit jetzt gemeinsam seinen Weg geht. Für sie sind die Mitglieder des Kollektivs „Freaks“ und ihr Ziel ist es, die Menschen wieder zu „befreien“.
Manousos, der militante Ignorant
Einer der Menschen, denen man im richtigen Leben nicht begegnen möchte: wortkarg, chauvinistisch, verschwörungstheoretisch, kotzbrockig und komplett immun gegen jedwede Hilfe oder Zuneigung. Er kommandiert Carol herum, als sie sich das erste Mal treffen, indem er sie anschnipst, damit sie zu ihm kommt. Die einzig wahre Reaktion von Carol: „Ich verstehe kein Schnips!“ Manousos möchte den Mitgliedern des Kollektivs – also ca. 7 Milliarden Menschen – am liebsten den Garaus machen, weil er sie nicht mehr als Menschen akzeptiert. Aber zunächst einmal versucht er, sie mit einem Radiosignal, das er entdeckt hat, wieder zu dem zu machen, was sie vorher waren: Individuen. Und das geht grandios in die Hose, denn wenn eine Person im Kollektiv leidet, dann leiden alle anderen mit.
Koumba, der Hedonist
Eine der Personen, die wie Carol nicht infiziert werden konnten, ist Koumba Diabaté. Aber anders als Carol und Manousos macht er aus der Not eine Tugend und lässt sich vom Kollektiv so richtig verwöhnen: gutes Essen, Frauen ohne Ende, die Air Force One als Privatflugzeug, Pool-Partys. Das Kollektiv erfüllt ihm jeden Wunsch, denn es ist auf bedingungslose Zufriedenheit bedacht. Trotzdem ist Koumba ein netter Mensch – er hat sich lediglich mit der neuen Realität abgefunden und weiß diese zu seinen Gunsten zu nutzen.
Pursuit of Happiness – das Streben nach Glück
Ja, und jetzt kommen wir doch zur Kernfrage: würdet Ihr Eure Individualität aufgeben, wenn Ihr im Gegenzug Glück, Frieden und Freude bekommen würdet? Gar nicht mal so einfach zu beantworten, oder?
Ich gebe offen zu, dass Friede, Freude, Eierkuchen eine tolle Sache ist. Ja, wirklich. Keine Konflikte und Kriege mehr, kein Neid, keine Missgunst, keine Gewalt. Stattdessen Harmonie, Liebe, Hilfsbereitschaft und Frieden. Und das war sicherlich auch das Ziel, das das Alien-RNA-Signal verfolgt hat. Es war kein böses Ziel, im Gegenteil – es war das ultimativ gute Ziel.
Aber auf der anderen Seite haben wir noch die Individualität; das, was uns als Menschen ausmacht. Menschen mit eigenen Ideen, Wünschen, Träumen und Vorstellungen. Das Versprechen, dass theoretisch jeder das aus sich machen kann, was er oder sie will. Jetzt wissen wir natürlich nicht, wie es so ist, Teil der ganzen Menschheit zu sein, weil es das nunmal nicht gibt. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich das gar nicht mal so schlecht finden würde.
Lasst es mich gerne wissen.
