Wenn Menschen Gegenstände lieben

Doro ist 40 und wohnt in Österreich. Sie hat eine Freundin, ist aber nicht lesbisch. Nein, Doro liebt – glaube es oder lass‘ es bleiben – eine Maschine. So wie andere Menschen andere Menschen lieben, hat sie eben eine 3 Tonnen schwere Werkzeugmaschine aus Metall als Freundin.

Wenn Du dich nun fragst, was das ist: man nennt es „Objektophilie“, die Liebe zu vermeintlich unbelebten Gegenständen. „Vermeintlich“ deswegen, weil der Objektophile das gleiche für einen unbelebten Gegenstand empfindet wie wir für einen Menschen. Glaubst Du nicht? Ist auch schwer zu fassen.

Doro trifft ihre Freundin, die Maschine namens „Susi“, auf der Arbeit und bringt ihr die gleichen Gefühle entgegen, wie man sie einem Menschen entgegen bringen würde. Das klingt bizarr, ist es auch, aber Doro und die anderen, die keine Menschen, sondern Dinge lieben, kommen anscheinend ganz gut klar damit. Warum auch nicht: sie haben ihre Erfüllung gefunden, brauchen keinen menschlichen Lebenspartner und sind glücklich mit ihrem Objekt. Sie vermissen nichts im Leben. Nur ihre Vorliebe ist anders.

Auch wenn romantische Strandspaziergänge im Falle von Doro oder einem anderen Herrn, der gleich eine ganze Dampflok (!) liebt, eher schwierig sind, der Autokino-Besuch mit dem zugehörigen Knutschen gar unmöglich ist: ihre Art der Liebe ist eben anders. Das ist nicht ironisch gemeint von mir.

Es ist noch nicht einmal ein Fetischismus, denn der Fetisch ist ja ein Ersatz für irgendwas oder ein bestimmtes Teil, das stellvertretend für etwas anderes angehimmelt wird. Nein, bei der Objektophilie ist der Gegenstand als solcher der Geliebte. Nicht die benutzte Unterhose, die im Zusammenhang mit einem Menschen oder irgendeiner Praktik gesehen wird. Das Objekt ist der Partner!

Einen guten Überblick und eine hinreißende Lovestory findest Du hier. Und auch die Erkenntnis, dass Objektophile eigentlich ganz normal ticken, nur nicht auf Menschen als Sexualpartner abfahren. Warum das so ist, wissen sie schließlich selbst nicht – und die Wissenschaft erst recht nicht.

Hier soll nicht der Eindruck entstehen, dass ich auch diese Neigung habe, ich finde das Thema nur extrem faszinierend. Und wenn Du Dir die Seite von Doro und „ihrer“ Susi durchliest, dann kannst Du vielleicht auch ein wenig verstehen, dass Liebe manchmal nicht nur auf Menschen beschränkt ist, sondern so vieles mehr einschließen kann…wenn man versucht, mal über seinen Tellerrand zu blicken.

Über Martin

Ich bin der Chefredakteur des Loft 75, dem "Magazin für das 21. Jahrhundert im Stil der 70er". Geboren 1969 in einem kleinen Ort im "Welterbe Oberes Mittelrheintal", somit > 40 Jahre alt und gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert und besitze auf jeden Fall eine kreative Ader, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und jetzt wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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2 Kommentare

  1. Danke dafür, dass die Story von Doro und Susi hier bashingfrei präsentiert wird! Es gibt auch heute noch genügend Leute, die meinen sie müßten Objektophile mit dem schlimmsten Schlamm bewerfen, nach dem Motto „Was ich nicht nachvollziehen kann, ist automatisch ‚krank'“. Daher freuen wir Objektos uns natürlich über jede hassfreie Darstellung des Themas durch Nicht-Selbst-Betroffene.

    Schöne Grüße vonne NetRat

  2. Danke für Deinen Kommentar. Ob ich es 100% verstehe, denke ich nicht, aber ich betrachte es nicht als „schlimm“, denn das ist es ja nicht. Es ist eben nur eine andere Form der Liebe. Und ich denke, wenn man liebt – egal wen oder was – ist das doch toll!

    P.S.: Dein Blog ist aber auch nicht ohne ;-)

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