Vernünftige Nahrungsmittel vs. Sekten

Eines vorweg: dieser Artikel ist sehr subjektiv, aus dem Bauch heraus und sicher auch emotional geschrieben, Auch könnte man das Vorhandensein von Mainstream-Meinungen vermissen und vielleicht Widersprüche entdecken. Außerdem bin ich in keiner Weise Sympathisant oder Förderer von Sekten oder etablierten Glaubensrichtungen und Kirchen. Es ist schlicht und einfach so, dass ich radikale Strömungen ablehne, aber weitgehend harmlose Formen des Glaubens toleriere. Dies nur als kurzer Einstieg.

 

Das Lebensmittel

Nicht, dass ich die Weisheit gepachtet habe, ganz im Gegenteil. Ich bin ein ganz normaler „Konsument“, wie Ihr auch. Und ich mache mir natürlich Gedanken darüber, was ich mir so alles reinschiebe. Nein, ich bin kein militanter Öko und auch kein Veganer. Ich esse einen gut gemachten Gemüsebratling genau so gerne wie diese eigentlich grauenhaften „Toasties“, also diese Schnitzel, die man sich in den Toaster schieben kann. Göttlich für den kleinen Hunger auf Fleisch, aber nahrungstechnisch das Allerletzte. Wenn ich Zeit und Lust habe zu kochen – entweder alleine oder mit der Allerliebsten – mache ich mir natürlich Gedanken darüber, was ich da zubereite und welche Zutaten ich kaufe. Wenn ich Bio-Qualität zum fairen Preis bekomme, dann nehme ich die auch gerne. Also Sachen, die nach festgelegten Kriterien angebaut sind, ohne Zusätze auskommen und im landläufigen Sinne „gesund“ sind. Ob die jetzt besser sind als konventionell angebaute Lebensmittel, stelle ich einfach mal zur Diskussion. Aber mein Gefühl sagt mir einfach, dass es für den Körper und das Wohlbefinden besser sein muss.

Ein Lebensmittel ist also primär dazu gedacht, den Körper optimal  und natürlich mit Nährstoffen zu versorgen und dabei möglichst wenig Nebenwirkungen zu haben. Ach ja, richtig gut schmecken muss es natürlich auch. „Nahrungsaufnahme“ ist im besten Fall ein großer Genuss.

 

Das industriell hergestellte Lebensmittel

Dass die 80 Millionen Einwohner unseres Landes nicht mit handgeernteten, liebevoll angebauten Nahrungsmitteln zum fairen Preis versorgt werden können, ist irgendwie klar. Also gibt es viele Lebensmittel, die in großen Edelstahl-Kesseln von Menschen, die in Ganzkörperkondomen gekleidet sind, hergestellt werden. So lange dafür weitgehend natürliche Zutaten verwendet werden, ist das ja auch okay.

Wenn ich aber beispielsweise die Zutatenliste einer Mayonnaise lese, dann fallen mir Bestandteile auf, die mich nachdenklich stimmen:

Magermilchpulver, Verdickungsmittel Gurkernmehl, modifizierte Stärke.

Wenn man eine Mayonnaise selbst macht (was übrigens ganz einfach geht), dann kommen da Eigelb, Öl, Pfeffer und Salz rein. Fertig. Die oben genannten Zutaten dienen hauptsächlich dazu, das Produkt stabil zu halten und Rohstoffe zu sparen – anders kann ich mir das Magermilchpulver nicht erklären. Je billiger ein Produkt ist, desto mehr billiger Schrott ist drin. Schaut Euch doch mal die Zutatenliste einer Fertig-Lasagne oder einer Tiefkühlpizza mit Analogkäse an. Da weiß man ja gar nicht mehr, wozu das alles gut sein soll und was es im Körper bewirkt. Und wenn dann noch genetisch manipulierte oder durch Bestrahlung haltbar gemachte Rohstoffe drin sind, dann weiß noch nicht mal die Industrie, ob sich das irgendwann mal rächen wird. Auch Contergan wurde ja früher mal als absolut unbedenklich für Schwangere beworben; schlampige Studien und Verharmlosung auf breiter Ebene haben für einen der größten Skandale der Nachkriegsgeschichte gesorgt. Der Grundtenor: „Ach, hätten wir das gewusst, damit konnte niemand rechnen…“

Was ich damit sagen will: eine große Menge billiger, oftmals ungeprüfter Inhaltsstoffe werden ohne Bedenken in Nahrungsmittel eingearbeitet, ohne sich zumindest ansatzweise über Risiken Gedanken zu machen. Wenn wir Glück haben, geht alles gut – wenn nicht, dann haben wir eben Pech gehabt. Aber Hauptsache billig und schnell auf den Markt gebracht.

Das Problem dabei ist, dass arme Menschen oder solche, die es sich aus anderen Gründen nicht leisten können, gar keine andere Möglichkeit haben, sich den industriellen Müll einzuverleiben. Selbst wenn man mit wenig Geld vernünftig kocht, Gemüse und Fleisch selbst zubereitet, hat man irgendwelche Pestizide, Dioxin, Hormone und Antibiotika im Essen. Aber natürlich alles unterhalb der Gefährdungsschwelle; und wer’s glaubt, wird selig…

Ich persönlich kann Gefährdungspotenziale und Studien, die mehrfach juristisch angefochten werden, nicht beurteilen. Bei diesem Geklüngel zwischen Industrie, Verbraucherschützern und Rechtsanwälten beschleciht mich einfach nur ein ungutes Gefühl, was meine Ernährung angeht.

 

Das natürliche Lebensmittel

Das kennen viele gar nicht mehr. Es ist das Ei und das Fleisch vom glücklichen Huhn auf dem Bauernhof, das Gemüse aus dem Garten, die Pilze aus dem Wald. Ich habe mittlerweile eine natürliche Abneigung gegen Tomaten, denn man bekommt nur noch rote Wasserbomben im Supermarkt. Esst mal eine Tomate aus dem Garten, da hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun. Die Gartentomate ist eine Geschmacksexplosion im Mund, die Supermarkt-Tomate ein Witz.

Natürliche, d.h. traditionell hergestellte Lebensmittel, sind insofern teurer, als dass die Herstellung einfach aufwändiger ist. Weil keine Pestizide, Biozide und Gentechnik benutzt werden, fällt die Ernte oft magerer aus und die Früchte sind nicht so groß wie die Mega-Tomaten oder der getunte Turbo-Weizen. Also hat man mehr Mühe bei der Aufzucht und kann weniger verkaufen. Die Folge: die Lebensmittel sind einfach teurer. Aber sicher gesünder und für die menschliche Physiologie besser geeignet. Überlegt Euch einfach mal, ob ein Großteil der Zivilisationskrankheiten vielleicht dadurch entstehen, dass wir manipulierten Nahrungsmüll in uns reinstopfen. Als naturwissenschaftlich gebildeter Mensch sehe ich da durchaus einen Zusammenhang.

Aber Essen dient ja nicht nur zur Lebenserhaltung, sondern auch dem Genuss. Essen ist etwas Schönes. Nicht nur Jamie Oliver, auch Johann Lafer und andere Köche und Wissenschaftler haben gemerkt, dass viele Kinder heutzutage gar nicht mehr wissen, wie ein Lebensmittel zu schmecken hat. Da wurden Kindern Orangen, Kirschen und Erdbeeren mit verbundenen Augen zu essen gegeben und die Kids wussten gar nicht, was das sein soll. Das finde ich schlimm. Denn diese Kindern kennen nur noch Froop, Fruchtzwerge, Gummibärchen und Fertigpizza. Spinat und Broccoli sind „bäh!!“ Sehr traurig. Liegt aber auch daran, dass viele Eltern nicht mehr wissen, wie man eine leckere Mahlzeit zubereitet. Aber das ist ein anderes Thema.

 

Der friedfertige Landbau

So, langsam kommen wir in die christliche Sekten-Ecke. Ich kam darauf, dass ich eben mit Ina sprach und ich mich an den super-leckeren, veganen Brotaufstrich namens „Ibi“ erinnerte, denn meine Mum brachte ihn früher ab und zu vom Koblenzer Wochenmarkt mit. Und auch die Bärlauch-Paste, die total lecker auf getoastetem Brot schmeckt.

Den Online-Shop habe ich eben wieder gefunden, es ist die fränkische Firma „Lebe Gesund“. Da gibt es den ganzen leckeren Kram, aber auch Gemüse- und Obst-Pakete aus sog. „friedfertigem Landbau“. Überrascht war ich von der schlechten Bewertung der Seite in WOT. Dann habe ich mir einfach mal die Kommentare durchgelesen und es kam Überraschendes zutage: „Lebe Gesund“ ist ein Unternehmen, das mit dem „Universellen Leben“ zu tun hat – einer so genannten Sekte. Wenn man weiter eintaucht in die Bewertungen und Kommentare, stellt sich folgendes Bild dar: es gibt Kommentatoren, die schreiben: „Finger weg, das ist eine gefährliche Sekte!!!“ und andere, die schreiben: „Das ist eine Diffamierungskampagne. „Lebe Gesund“ ist nicht sektiererisch tätig und bei denen kann man gut arbeiten und bekommt auch übertarifliche Zulagen.“ Ja, was denn nun?

Salaternte (lebenswandeln)

Salaternte (lebenswandeln auf flickr.com)

Ich habe keine Lust, einer Sekte Geld in den Rachen zu werfen, ich bin ein bekennender Kritiker von Scientology und christlichen Freikirchen. Ich selbst gehöre keiner Kirche an und habe eine extrem distanzierte Haltung zu Religionsthemen.

Aber als ich mich über das „Universelle Leben“ einlas, wurde mir schnell klar, dass man es wohl nicht mit einem „gefährlichen Verein“  mit totalitären Strukturen zu tun hat, sondern eher mit so einer Art von „Amish-People“, die traditionell leben wollen und das Leben schätzen. Es gibt auch Kritik, u.a. an der Chefin und „Prophetin“ Frau Gabriele Wittek. Diese Dame hatte einige erleuchtende Erlebnisse und führt eine Stiftung, die naturgemäß auch Geld einnimmt. Ich sehe sie nicht als gefährliche Sektenführerin, sondern als spirituelle Person für diese Leute. Das finde ich erstmal nicht schlimm, auch wenn ich diese Erleuchtungsgeschichten für mich nicht nachvollziehen kann.

„Lebe Gesund“ gehört irgendwie zu diesen Leuten. Aber was wiederholt gesagt wurde und was ich auch bestätigen kann ist, dass hier wohl keinerlei Missionstätigkeiten verübt werden, die angebotenen Lebensmittel allerhöchsten Standards gerecht werden und außerdem (was ich selbst bestätigen kann) wirklich unglaublich gut schmecken. Hätte ich hier eine gefährliche Sekte vor mir, würde ich konsequent die Finger davon lassen.

Das Konzept, mit Mensch und Natur im Einklang zu leben, finde ich sehr gut. Auch wenn in diesem Fall eine stringente (ur-)christliche Haltung hinter steckt, die für mich manchmal ein wenig fremd ist. Aber Lebensmittel, die strengen Richtlinien Stand halten und einfach nur vernünftig angebaut sind, unterstütze ich. Und ich weiß, dass sie grandios schmecken. Und deshalb bestelle ich demnächst ein paar leckere Sachen bei „Lebe Gesund“.

 

Was denkt Ihr? Wie ernährt Ihr Euch? Habt Ihr kein Problem mit Industriefood oder lebt Ihr streng vegetarisch oder vegan? Schreibt mir!

Über Martin

Ich bin der Chefredakteur des Loft 75, dem "Magazin für das 21. Jahrhundert im Stil der 70er". Geboren 1969 in einem kleinen Ort im "Welterbe Oberes Mittelrheintal", somit > 40 Jahre alt und gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert und besitze auf jeden Fall eine kreative Ader, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und jetzt wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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