So wird Thunderbird zum PIM

Kurz zur Erklärung, bevor ich hier loslege: ein PIM ist ein „Personal Information Manager“; der bekannteste Vertreter dürfte Microsoft Outlook sein. Also eine Software, mit der man E-Mails empfangen und versenden, Kontakte und Aufgaben verwalten und zugehörige Notizen erstellen kann. Mir ist durchaus bewusst, dass es im Netz sehr viele Seiten zum Thema „Thunderbird zum Outlook-Klon hochrüsten“ gibt, aber ich versuche trotzdem, diesem Thema vielleicht ein paar neue Seiten abzugewinnen bzw. dem einen oder anderen von Euch das Thema schmackhaft zu machen. Dieses Tutorial richtet sich übrigens in erster Linie an Privatanwender. Alle Programme und Add-ons, die ich hier vorstelle, sind kostenlos erhältlich und als Open-Source verfügbar.


Die Grundausstattung: Mozilla Thunderbird.

Wer nur ein E-Mail-Programm sucht, ist mit dem Thunderbird sicher sehr gut beraten. IMAP, POP und moderne Filterfunktionen, eine sehr gute Junk-Erkennung und eine fast unbegrenzte Erweiterbarkeit sorgen dafür, dass das Mailen zu einer rundum komfortablen Sache wird. Wer allerdings Outlook gewöhnt ist, vermisst einige Funktionen, die aber zum größten Teil problemlos nachgerüstet werden können.

So wird’s gemacht: Mozilla Thunderbird hier herunterladen, installieren und einrichten. Viele Tipps und Tricks, Tutorials und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Thema findest Du hier und hier.


E-Mail klappt. Jetzt möchten wir noch unsere Termine und Aufgaben verwalten.

Zu diesem Zweck gibt’s die Erweiterung „Lightning“, ein Kalender-Add-on, das auch in der Lage ist, auf den Google-Kalender zuzugreifen (auf Wunsch). Aber auch ohne Google-Kalender macht das richtig Spaß und klappt prima, denn Lightning ist dem Aussehen und der Funktionalität des Outlook-Kalenders ähnlich. Demnach ist auch eine vollständige Integration in Thunderbird selbstverständlich, sodass man z.B. in der Lage ist, neue Termine einzurichten und Teilnehmer aus dem eigenen Adressbuch einzuladen:


So wird’s gemacht: Lightning hier herunterladen, via Extras > Add-ons > Erweiterungen > „installieren“ in Thunderbird integrieren. Wer auf den Google-Kalender zugreifen möchte, bekommt hier eine leicht verständliche Anleitung.

Wichtig: Wer die SMS-Benachrichtigung des Google-Kalenders nutzen möchte, muss zusätzlich die Erweiterung „Provider for Google Calendar“ herunterladen und installieren. Ansonsten kann als Alarmtyp keine SMS-Benachrichtigung ausgewählt werden.


Notizen zu E-Mails speichern

Zusätzlich zur E-Mail-Funktionalität haben wir jetzt einen Kalender mitsamt Aufgabenplaner, außerdem das integrierte, leistungsfähige Adressbuch von Thunderbird. Eine recht interessante Funktion lässt sich ebenfalls via Add-on nachrüsten: die Möglichkeit, zu E-Mails Notizen zu hinterlegen. Hierzu wird die experimentelle Erweiterung tbNotes benötigt, die auf die übliche Weise installiert wird. Aber obacht: es handelt sich um ein experimentelles Add-on, das in manchen Situationen die Ansicht des Thunderbird-Fensters nicht korrekt aktualisiert. Aber wer möchte, kann es dennoch installieren, um die Funktionalität zu testen. Die Entwicklung des Add-ons geht weiter, und in den nächsten Versionen werden diese Fehler sicher behoben.

So sieht’s aus:

So wird’s gemacht: tbNotes hier herunterladen und auf die übliche Weise installieren. In der Nachrichtenübersicht die Spalte mit dem vielsagenden Namen „N.“ einblenden und an die gewünschte Stelle ziehen. Notizen per rechter Maustaste und „Notiz hinzufügen“ anlegen oder per Klick auf den Info-Balken im Nachrichten-Vorschaufenster. Wenn eine E-Mail eine Notiz hat, wird das kleine Kästchen in der Spalte „N.“ in der Nachrichtenübersicht gelb angezeigt. Die Notiz kann per rechter Maustaste angeschaut und bearbeitet werden.


Feintuning: So wird unser PIM perfekt

Thunderbird im Tray anzeigen: Statt in der Taskleiste, kann unser neuer PIM auch im Tray (also neben der Uhr und den anderen Symbolen) angezeigt werden. Dazu einfach die Erweiterung „Minimize To Tray Plus“ oder für Windows 7-Benutzer „Minimize on Start and Close“ herunterladen. Die sorgt dafür, dass Thunderbird beim Minimieren oder Schließen nicht mehr auf der Taskleiste, sondern im Tray auftaucht. Spart Platz und ist der entsprechenden Funktionalität von Outlook nachempfunden.

Menüleiste ausblenden: Die Menüleiste benötigt man wirklich nur selten und viele der häufig benutzten Befehle kann man per Symbolleiste oder Rechtsklick ausführen. Also lassen wir die Menüleiste verschwinden. Geht leider nicht mehr so einfach wie früher, aber mittels der kleinen Erweiterung „Compact Menu 2“ ist auch dieses Vorhaben schnell umgesetzt: Erweiterung installieren und dann per Rechtsklick auf die Menüleiste ebendiese ausblenden. Fertig! Möchte man das Menü wieder sehen, einfach wieder per Rechtsklick auf die Symbolleiste wieder einblenden.

Mehr Schaltflächen für die Symbolleiste: Wem die Möglichkeiten der Symbolleisten-Bestückung nicht ausreichen, lädt sich das Add-on „Toolbar Buttons“ herunter und installiert es. Danach stehen wesentlich mehr Symbole zur Verfügung, die man sich nach Belieben in die Symbolleiste ziehen kann.

Ein schickes Theme einrichten: Ich benutze momentan in Thunderbird und Firefox das hübsche „Office Black“. Aber es gibt natürlich noch andere Themes – einfach mal bei Mozilla in der Theme-Galerie vorbeischauen.

Thunderbird mit Windows starten: Die Verknüpfung zu Thunderbird einfach in den Ordner „Autostart“ verschieben: Start > Programme > Autostart > rechte Maustaste > öffnen. Desktop-Verknüpfung zu Thunderbird hineinziehen. Ab jetzt steht Thunderbird direkt nach dem Windows-Start zur Verfügung und es werden – je nach den gewählten Konteneinstellungen – direkt alle E-Mails abgeholt sowie Termine und Aufgaben geladen und ggf. an anstehende Aufgaben erinnert.

Thunderbird-Adressbuch mit OpenOffice.org verwenden: Wer das frei erhältliche Office-Paket OpenOffice.org verwendet, wird sich darüber freuen, dass das Adressbuch von Thunderbird dort zur Verfügung gestellt werden kann. Aber da es schon ein umfangreiches, gut verständlichs Tutorial zu diesem Thema gibt, verweise ich auf diese Seite.

Mein Tipp: Alle beschriebenen Anpassungen funktionieren natürlich auch mit der portablen Version von Thunderbird! Dieser kann auf einem USB-Stick installiert werden und bietet ebenfalls die volle Funktionalität. Für alle, die ihren PIM immer dabei haben wollen.


Das Ergebnis: unser persönlicher Information Manager

Und so schick sieht unser neues Kommunikationstool aus:

Übersichtlich und klar strukturiert können jetzt fast alle Funktionalitäten von Outlook genutzt werden. Was noch fehlt, ist die Synchronisation mit einem Mobiltelefon bzw. Smartphone. Ich weiß auch nicht, ob es für diesen Zweck bisher brauchbare Erweiterungen gibt, da ich diese Funktion nicht benötige.

Zusammenfassung: das wird benötigt

  1. Thunderbird (auch als portable Version für den USB-Stick erhältlich)
  2. Lightning, das Kalender- und Aufgabentool
  3. tbNotes zur Notizverwaltung
  4. Minimize to Tray Plus oder Minimize on Start and Close für die Anzeige im Systemtray
  5. Toolbar Buttons, mehr Funktionen für die Symbolleiste
  6. Office Black Theme für ein perfektes Aussehen
  7. optional ein Google-Kalender-Account (damit macht’s definitiv mehr Spaß! Schaut einfach unter google.de > Mehr… > Kalender). Wenn Ihr bereits einen Google-Account habt, könnt Ihr Euch mit Euren Benutzerdaten direkt einloggen und einen Kalender erstellen.


War das hilfreich für Euch? Habe ich Euch auf den Geschmack gebracht, ab jetzt einen kostenlosen Thunderbird zum vollwertigen PIM aufzurüsten? Welche in diesem Zusammenhang sinnvollen Erweiterungen nutzt Ihr noch?

Schreibt mir!

Über Martin

Ich bin der Chefredakteur des Loft 75, dem "Magazin für das 21. Jahrhundert im Stil der 70er". Geboren 1969 in einem kleinen Ort im "Welterbe Oberes Mittelrheintal", somit > 40 Jahre alt und gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert und besitze auf jeden Fall eine kreative Ader, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und jetzt wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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7 Kommentare

  1. Ein ganz großes Dankeschön für diesen Super Artikel. Ich hatte schon lange vor TB in vollem Umfang als PIM zu nutzen. Dank deiner Anleitung kann ich das nun endlich mit ein paar Schritten in die Tat umsetzen.

  2. Ich nutze Postbox auf dem Mac (http://www.postbox-inc.com/) und da funktioniert das alles auch sehr gut. Danke auch von mir.

  3. hast dir sehr viel Mühe gemacht, werde das mal gemäß deiner Anleitung installieren, am heiligen Sonntag.Interessant ist, dass ich alles auf dem Stick mitnehmen kann- Thx

  4. @Gilly: Gern geschehen :-) Aber denk‘ dran, den „Provider for Google Calendar“ zu installieren – sonst kannst Du aus TB heraus keine SMS-Alarme erstellen.

    @dhrac: Erstmal herzlich willkommen :-) Gerade die Cross-Plattform-Verfügbarkeit von TB macht die Sache mit dem PIM recht interessant, finde ich. Und Postbox ist sicher eine prima Sache, aber schlägt direkt mit 64 USD zu Buche, wenn man auch das Lifetime-Upgrade nutzen will.

    @Aquii: Hey, ich hoffe, das hat bei Dir wunschgemäß geklappt :-)

  5. Auch ich schließe mit an und sage DANKE

    Gibt es so eine Anleitung auch für die
    Synconisation mit einem PDA?

  6. Hey, nichts zu danken :-) Aber wie schon gesagt, mit PDA-Sync kenne ich mich leider überhaupt nicht aus, aber Google ist sicher Dein Freund ;-)

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