Psycho

Ich hatte mich ja – das wissen wenige Personen – ob meines komplexen Innenlebens entschlossen, in die Hände eines Therapeuten zu begeben.

Ich hätte es ja wissen müssen; die meisten Psychiater sind bekloppter als ihre Patienten.

Es begab sich also wie folgt: um 16:30 hatte ich einen Termin und taperte artig in den Markenbildchenweg nach Koblenz. Ich fand ein Wartezimmer mit 11 (!!!) wartenden Patienten vor, die schon lautstark diskutierten, wann sie denn drankommen und ob überhaupt. Also nahm ich Platz auf dem letzten verfügbaren Stuhl und wartete…wartete…das Wartezimmer leerte sich…die Dame, die nach mir kam, kam vor mir dran…die Sprechstundenhilfe kam dann nach 2 Stunden mal zu mir, klappte die zusätzlichen Stühle zusammen und sagte mir, ich komme gleich dran.

10 Minuten später, „Herr Schuppan, Sie sind dran!“ frohlockte die nette Dame. Nein, ich frohlockte nicht mehr :(

Sie führte mich in ein kleines, schmuckloses Zimmer mit einer Liege, einem EEG-Gerät, einem Tischlein mit den üblichen Diagnosegeräten wie Reflexhammer, Blutdruckmessgerät sowie einem leeren Schreibtisch, auf dem einsam meine Krankenakte lag. Die netten Poster mit schematischen Darstellungen des zentralen Nervensystems und die gemütliche Deckenbeleuchtung, die den Raum in ein fragwürdiges Licht tauchte, verstärkten den Eindruck von Beklemmung (ich will doch nur eine Gesprächstherapie gegen Beklemmungen!). Dort saß ich dann auf einem gleichfalls schmucklosen Stuhl und wartete wieder…10 Minuten…20…25. Mittlerweile wurden schon die Rolläden heruntergezogen, und es war 19:00 Uhr.

UND DANN RISS MIR DER GEDULDSFADEN!!!

Ich ging also raus, suchte die nette Dame (die ja garnichts dafür kann) in der Teeküche auf, erklärte ihr unter einem fadenscheinigen Vorwand, dass ich weg müsse und keine Zeit mehr habe und ich anrufe wegen eines neuen Termins.

Ich habe Herrn Psychiater trotz mehrstündigen Wartens nicht zu Gesicht bekommen und habe auch nicht vor, dies in absehbarer Zukunft zu tun. Es ist eine Unverschämtheit! Denkt der denn, ich bin so wahnsinnig und richte meinen Lebensabend nach seinem „Terminplan“ aus?!

Da gehe ich doch lieber zu meinem Frisör; der hält die Termine wenigstens ein und dem kann ich auch alles erzählen!

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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