Möglicherweise sozial, aber definitiv unfreundlich Meine Erfahrungen mit der Kleiderkammer

Letzte Woche haben wir mal wieder unsere Kleiderschränke ausgemistet. Da kommt einiges zusammen, was man einfach nicht mehr anzieht. Nachdem ich vor Jahren erfahren habe, dass Kleider, die über den Altkleidercontainer entsorgt werden, zershreddert und zu Vliestüchern verarbeitet werden, fand ich das so schlimm, dass fortan nichts mehr dort landete. Man hat ja auch oftmals richtig gute Klamotten, teilweise teure Sachen oder Designerware – und die Vorstellung, dass selbst diese Sachen beim Textilverwerter zerstört werden, finde ich schlimm.

Ich habe meinen Zivildienst Anfang der 90er in einer Caritas-Sozialstation verbracht, die auch eine sogenannte Kleiderkammer hatte. Da waren teilweise verdammt hochwertige Sachen dabei, die gespendet wurden. Wir als Zivis durften mehr als einmal Sachen bei Leuten abholen, die in vornehmen Gegenden bei uns im Ort wohnten. Natürlich – das ist ja wohl selbstverständlich – haben wir uns bedankt und uns über die Kleiderspende gefreut. Die Klamotten, die von uns gesichtet wurden, kamen dann in die Kleiderkammer und manch armer Teufel, der/die nicht viel Geld zur Verfügung hatte, Flüchtling war oder obdachlos, haben sich wirklich gefreut, wenn sie etwas Schönes mitnehmen konnten. Damals zum Nulltarif.

Also habe ich gestern recherchiert, wo wir am besten unsere aussortierten Sachen abgegeben können und unsere Wahl fiel auf den Kleiderladen des Deutschen Kinderschutzbundes Rheinisch-Bergischer Kreis in Bensberg. Da solche Einrichtungen momentan oftmals unregelmäßige Öffnungszeiten haben, rief ich vorher kurz an.

Die Mitarbeiterin, die ich am anderen Ende der Leitung hatte, wirkte weder besonders freundlich noch besonders unfreundlich. Sie fragte mich, ob die Sachen wirklich gut erhalten seien. Ja, waren sie. Sogar gewaschen. Dann erklärte sie mir, wie wir zum Kleiderladen finden. Gesagt getan, wir machten uns auf den Weg.

Wir hatten 3 Plastiksäcke mit Textilien und Kleiderbügeln dabei (wer Klamotten anbietet, muss sie ja auch irgendwie aufhängen). Nachdem wir geklingelt hatten und uns niemand öffnete, merkten wir, dass die Eingangstür offen ist (es gab keinen Hinweis darauf). Jetzt sind wir also bepackt in den ersten Stock des Altbaus hochgegangen. Noch immer niemand, der uns empfing. Wir schauten in die offene Tür und eine Dame erwartete uns, die unser freundliches „Guten Tag!“ nicht erwiderte. Dann sagte sie sofort „Sie hätten auch den Aufzug nehmen können.“ Klar, gerne, wenn er denn ausgeschildert gewesen wäre. Mit bewegungsloser Miene fragte sie „Und die Sachen sind alle hochwertig und in Ordnung?“ „Ja, klar, hatte ich Ihrer Kollegin schon am Telefon gesagt. Wir haben übrigens noch ein paar Kleiderbügel dazugepackt, die können Sie bestimmt gebrauchen.“ „Nein, brauchen wir nicht, wir haben genug, die müssen Sie wieder rausnehmen! Und Wintersachen sind hoffentlich auch nicht dabei, dafür haben wir keinen Platz!“

Super. Wir haben also ziemlich angefressen die Säcke geöffnet und die Kleiderbügel herausgenommen. Hätte man uns das alles nicht schon am Telefon sagen können? Dann kam eine weitere Dame von hinten dazu, die leicht den Kopf schüttelte (!!), als sie uns sah. Sie sagte nichts und ging dann wieder. Ich nehme an, das war die Dame, die ich auch am Telefon hatte. Grußlos gingen wir und wurden auch nicht verabschiedet. Wohlgemerkt: egal, wie es sich liest, wir waren zu keinem Zeitpunkt unfreundlich.

Ina schimpfte wie ein Rohrspatz, als wir mit unseren Kleiderbügeln die Treppen heruntergingen und sagte „Das nächste Mal schmeiße ich die Sachen lieber in den Altkleidercontainer!“ Ach ja, ein einfaches „Danke“ gab es seitens der Mitarbeiterinnen auch nicht. Eher hatten wir den Eindruck, dass wir unliebsame Bittsteller sind, denen man doch bitte, bitte die alten Klamotten abnehmen soll. Sorry, aber das ist unmöglich!

Wenn die einfachsten Regeln des Anstandes (Danke, bitte, hallo, tschüß) nicht eingehalten werden und man das Gefühl hat, man sei lästig; wenn man nicht in der Lage ist, schon am Telefon einigermaßen freundlich auf die fehlenden Lagerkapazitäten hinsichtlich Winterklamotten hinzuweisen, vielleicht noch der kurze Hinweis, dass Kleiderbügel nicht benötigt werden, dann müssen sich manche Leute nicht wundern, dass man extrem enttäuscht ist und – so wie ich heute – einen negativen Artikel darüber schreibt. Man bedenke: wir haben denen etwas geschenkt, und zwar keinen Müll, ganz im Gegenteil. Wir hätten uns gefreut, wenn zumindest ein kurzes „Danke“ gekommen wäre und keine Atmosphäre, bei der einem direkt die Lust vergeht.

Natürlich steht und fällt so eine Einrichtung – wie auch jedes Unternehmen oder jedes Geschäft – mit den Mitarbeiter*Innen, die Publikumsverkehr haben. Da sollte man sich vielleicht mal Gedanken machen, Leute dorthin zu stellen, die serviceorientiert sind und ein Mindestmaß an Freundlichkeit und Kommunikationsfähigkeit aufweisen.

Aber so? Nein, danke!

 

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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2 Kommentare
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Sabiene

Einfache Regeln des Anstands (Freundlich, Höflich, vielleicht sogar nett) die findet man manchmal überhaupt nicht.
Tatsächlich aber sind die Kleiderkammern im Moment übervoll. Viele Menschen haben die Corona-Pause genutzt, um auszumisten, die Läden waren aber geschlossen.
Und die Altkleidersammler bekommen im Moment auch ihr Zeug nicht mehr weiter.
Ich frage mich aber immer wieder, warum wir so viele Dinge haben müssen oder mussten …
LG
Sabiene