Lyrics Stories: Telegraph Road von den Dire Straits Ein schön übersetzter Songtext und seine Story

1982. Die britische Band Dire Straits hat ihr Album „Love Over Gold“ veröffentlicht – ein Meilenstein der Musikgeschichte. 5 Titel, – ja, mehr waren nicht drauf – aber das reichte voll und ganz in den 80ern – dem Jahrzehnt der unglaublich langen Musikstücke.

Vom schmissigen „Industrial Disease“ ging es hin bis zum leisen, melancholischen „Private Investigations“. Und da war dann natürlich noch ein gewaltiger Brocken von einem Song: ganze 14 Minuten und 15 Sekunden lang: Telegraph Road. Menschen mit einer geringen Aufmerksamkeitsspanne klicken wahrscheinlich schon nach 5 Sekunden auf „Skip“, weil das ja alles zu leise, zu langsam und überhaupt: zu oldschool ist. Ja, das ist es, es ist sogenannter Progressive Rock. Da muss man Zeit investieren beim Hören, wird aber belohnt mit unglaublich guter Musik. Also nichts für ADHS-Hörer, die dürften dabei aggressiv werden (oder zum ersten Mal in ihrem Leben fasziniert und gechillt sein).

Telegraph Road erzählt nicht mehr und nicht weniger als die Geschichte der Besiedlung der USA. Mark Knopfler, der Chef der Dire Straits (übersetzt heißt das übrigens so viel wie „ziemliche Schwierigkeiten“), hat den Song auf einer Busfahrt in den USA komponiert und er bezieht sich auf eine Straße in Detroit (das heutzutage eine der verkommensten Städte in den USA ist – aber das ist eine andere Geschichte). Auch in vielen deutschen Städten gibt es heute noch eine „Telegrafenstraße“. z.B. in Solingen.

Nicht zuletzt hat mich Henning darauf gebracht, diesen Artikel zu schreiben, da wir unlängst über Songs und ihre Geschichte philosophiert haben.

Ich habe Euch den Songtext so übersetzt, dass er sich gut liest und die Geschichte so erzählt, wie Mark Knopfler sie sich ausgedacht hat. Am besten hört Ihr nebenbei das Lied und lest den Text. Viel Vergnügen. Und genießt die Reise.

Telegraph Road

Es war vor vielen Jahren – da ging ein Mann einen langen, staubigen Weg entlang.
Er ging dreißig Meilen weit, mit einem Sack auf seinem Rücken, in dem seine Habseligkeiten waren.
Dort am See, wo es ihm am besten gefiel, ließ er sich nieder und richtete sich in der Wildnis sein Zuhause ein.

Der Mann baute eine Hütte und ein Winterlager und pflügte den Boden am kalten Seeufer um.
Später kamen auch all‘ die Anderen den staubigen Weg hinunter. Auch sie gingen nicht mehr weiter und schauten auch nicht zurück.

Jahre später bauten sie Kirchen, dann Schulen.
Irgendwann gab es die ersten Richter und Anwälte, und mit ihnen kamen auch die Gesetze. Und dann die Eisenbahn und die vollbeladenen Kutschen.
Und der staubige, alte Weg von einst – der hieß jetzt Telegraph Road.

Die ersten Minen wurden gebaut, und die Zeiten waren verdammt hart. Und dann kam der Krieg.
Die Telegrafenleitungen sangen unterdessen leise ihren Song von der weiten Welt.
Und die Telegraph Road wurde irgendwann so groß wie ein breiter Fluss.

Eines Abends, viele Jahre später, hörte ich den Wetterbericht im Radio. Es hieß, dass es strengen Frost geben wird. Und nach der Arbeit fuhren alle direkt nach Hause. Die Telegraph Road hat 6 Spuren – und an diesem kalten Abend war auf dreien Stau…

Früher ging ich gerne zur Arbeit, aber die Fabrik ist jetzt geschlossen.
Ich möchte gerne etwas tun, aber hier gibt es keine Arbeit mehr.
Wir alle müssen unsere Schulden bezahlen – und irgendwann wollen wir doch auch mal ernten, was wir gesät haben.

Die Vögel auf den Telegrafenleitungen haben es gut: sie können wegfliegen, wann immer sie wollen, um dem Regen und der Kälte zu entfliehen.
Man kann sie hören, wie sie ganz leise den Telegrafencode zwitschern – entlang der Telegraph Road.

Ich möchte diese Zeiten am liebsten vergessen, aber ich erinnere mich noch an all‘ die schlimmen Nächte.
Mein Leben war damals nur noch eine einzige Flucht, inmitten der Lichter der Stadt.

Ich weiß noch genau, wie damals Deine Hand auf meiner Schulter lag und Du in meinen Haaren gewuschelt hast.
Mittlerweile bist Du nicht mehr so liebevoll zu mir. So, als ob Du keine Hoffnung mehr hast.

Aber ich sag’s Dir, Baby, irgendwann hauen wir ab von hier. Hauen ab aus dieser kalten Dunkelheit, dem sinnlosen Meer aus Autoscheinwerfern, dem andauernden Regen und der Wut in den Straßen.

Herrgott nochmal, ich habe jede einzelne rote Ampel auf der Memory Lane überfahren. Und ich weiß noch, wie mich dabei die nackte Verzweiflung gepackt hat.
Und das will ich verdammt nochmal nie mehr erleben.

Und ich will auch nicht mehr diese verdammten Schilder sehen, auf denen steht: „Sorry, wir haben geschlossen“.

Überall entlang der Telegraph Road.

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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2 Kommentare
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Henning Uhle

Hallo Martin,

na bloß gut, dass mein Feed Reader dich nicht verschweigt. So kann ich mich erstmal für diesen wunderbaren Artikel bedanken. Ach, und für den Tipp mit „Love over Gold“. Was für ein großartiges Stück Musik!

Das ist wahr, wir haben uns neulich in den Kommentaren in meinem Blog darüber ausgetauscht, was es alles an Musik gibt. Es gibt da sicherlich noch einiges mehr, worüber man philosophieren könnte. Ich habe mir jedenfalls neulich einen neuen Plattenspieler gekauft und höre so nach und nach meine gesammelten Werke durch.

„Telegraph Road“ ist etwas besonderes. Man merkt da irgendwie die ganze Melancholie vom Zusammenbruch in Detroit. Das ist unterm Strich die gleiche Geschichte wie „Thunder Road“ vom Springsteen. Man will einfach nur weg. Wenn nicht gleich, dann aber irgendwann. Ach, ich komme schon wieder ins Schwärmen. Lach…