Lyrics Stories: Industrial Disease von den Dire Straits Der Versuch, ein schwer zu übersetzendes Lied zu übersetzen

Schon wieder 1982. Und schon wieder die Dire Straits. Nachdem ich hier das Lied „Telegraph Road“ übersetzt hatte, brachte mich ein Leser auf die Idee, von der gleichen LP das Lied „Industrial Disease“ vielleicht auch mal auseinanderzunehmen. Klar, man hört den Song, man liest den Text, aber möglicherweise kann man mit ebendiesem nicht allzu viel anfangen. Zugegeben, er hat es auch in sich, denn er wimmelt nur so vor Redewendungen, die man zunächst identifizieren und dann auch noch in vernünftige Sätze packen muss. Für die Roh-Übersetzung hat mir der DeepL-Translator geholfen, die Feinarbeit habe ich selbst erledigt. Der Text ist auch nicht wortwörtlich übersetzt, das würde viel zu holprig klingen.

„Industrial Disease“ ist ein launiger Song mit einem ernsten Thema, der in den frühen 80ern entstanden ist, als Maggie Thatcher Großbritannien regierte. Und Thatcher – die „Eiserne Lady“ – hat es den britischen Arbeitern in diesen Jahren wirklich nicht leichtgemacht: Gesundheitssystem kaputtgespart, Sozialleistungen fast bis auf Null heruntergefahren, Arbeiter bei Hungerlöhnen von der Industrie ausbeuten lassen und die Gewerkschaften mundtot gemacht. Stattdessen hat sich die Industrie damals – staatlich legitimiert – eine goldene Nase verdient. Die Unzufriedenheit unter den Arbeitnehmern wuchs täglich, die Armut auch. Ihr würdet doch auch nicht 10 Stunden am Tag für € 2,50 Stundenlohn schuften gehen. Was aber, wenn Ihr es müsstet, weil die Jobs nicht besser bezahlt werden? Und wenn Ihr davon Eure Familie nicht ernähren könntet, obwohl Ihr trotz Arbeit fast tot umfallt?

Ganz Großbritannien war in dieser Zeit ein soziales Pulverfass. Unruhen und Gewalt waren an der Tagesordnung, besonders in den industriell geprägten Gegenden, zum Beispiel in Liverpool. Dazu kam noch der Nordirland-Konflikt – in Belfast explodierten fast täglich Autobomben. Wahrlich kein Land, in dem man ein glückliches Leben führen konnte. Und genau davon handelt der Song. Und jetzt geht’s los mit „Industrial Disease“!

Industrial Disease

Unten in der Qualitätskontrolle blinken alle Warnlampen, nur weil jemand einen Schraubenschlüssel fallen gelassen hat.
Hinten an der LKW-Rampe erzählt man sich die wildesten Sachen und draußen in der Stadt ist die Stimmung aggressiv, weil irgendjemand ein Gerücht verbreitet hat. Tja, und dann ist die ganze Scheiße ins Rollen gekommen…

Im Besprechungsraum überlegt man, wer dieses Gerücht wohl gestreut hat, während im Waschraum ein Maulwurf sitzt und alle ausspioniert. Hey! Irgendwo im Gang hat doch gerade jemand geniest! Meine Güte, ist das etwa diese merkwürdige Krankheit namens Industrial Disease?

Der Hausmeister wurde gekreuzigt, weil er bei der Arbeit eingeschlafen ist – man hat ihm einfach für alles die Schuld gegeben. Der Wachhund hat die Tollwut bekommen, der Vorarbeiter Flöhe, und alle sind total besorgt wegen diesem Industrial Disease.

In der Telefonzentrale herrscht Panik, die Gerüchteküche brodelt. Manch einer bekommt da Mitleid, manch anderer bekommt Pickel. Fest steht jedenfalls: schuld daran ist das Management! Oder…vielleicht doch die Angestellten? Und selbst wenn nicht: dann ist es auf jeden Fall Industrial Disease. Die Kollegen sind komplett angewidert, schmeißen alles hin und gehen heim. Alle wollen Schadenersatz und sind sich einig: „Wir verdienen zu wenig Geld!“

Auch ITV und BBC berichten über diese merkwürdige Sache. Da kommt man mit Philosophie nicht weiter und mit Theologie erst recht nicht!
Schließlich gerät alles außer Kontrolle und die Wirtschaft kommt zum Stillstand. Die Soziologen erfinden mittlerweile sogar neue Begriffe für diese seltsame Krankheit namens Industrial Disease.

Doktor Parkinson sagte mir: „Ich bin nicht überrascht, Sie hier zu sehen. Sie haben Raucherhusten und sind impotent vom vielen Bier. Ich weiß zwar nicht, warum Sie Bette-Davis-Knie haben – aber das Schlimmste, junger Mann, Sie haben Industrial Disease.“ Er gab mir ein Rezept und sagte: „Sie sind depressiv. Aber ich bin froh, dass Sie zu mir gekommen sind, um sich alles von der Seele zu reden. Wir sehen uns nächste Woche wieder.“  – „So, und nun das nächste Opfer bitte in die Sprechstunde!“ Hach! Großartig!

Ich gehe zum Speaker’s Corner und kann es kaum fassen: Touristen reden sich dort um Kopf und Kragen, während Scharen von Polizisten in Lastwagen bereit stehen. Zwei Typen behaupten, sie seien Jesus (einer von denen muss sich irren) und jemand singt einen Protestsong.

Er singt:
„Sie wollen einen Krieg, damit ihre Fabriken weiterproduzieren können
Sie wollen einen Krieg, um uns gefügig zu machen
Sie wollen einen Krieg, damit wir keine Sachen mehr aus Japan kaufen
Und sie wollen einen Krieg, um Industrial Disease zu stoppen.
Sie sagen Euch, wer der angebliche Feind ist, damit Ihr schön die Klappe haltet
Sie rauben Euch die Energie und kontrollieren Euer Denken
Ihr bekommt „Rule Britannia“ und schales Bier
Zwei Wochen Urlaub in Spanien und sonntags Euren Striptease.“

Währenddessen sagt der erste Jesus: „Ich kann Euch von Eurem Leid befreien: Schafft einfach den Montagmorgen und den Freitagnachmittag ab.“

Der andere Jesus ist schon im Hungerstreik. Hat der etwa auch dieses komische Industrial Disease..?

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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