Ich weiß nicht, was ich von ‚Trigami‘ halten soll

euro_geldAls trnd-Mitglied seit 2006 habe ich mich intensiv mit WOM („Word Of Mouth“)-Marketing beschäftigt. Also einer Form des Empfehlens, das man auch im normalen Leben, ohne dass es einem bewusst ist, durchführt. Wie etwa meine Mutter, die mir nochmals vehement die hervorragende Qualität der Currywurst aus der Gyrosbude in der Koblenzer Vorstadt nahegelegt hat. Nach dem Motto „Dat schmeckt – Jung‘, geh‘ da hin und iss Currywurst!“

trnd schüttet keine Geldwerte aus, statt dessen bekommt man Punkte, die man – wenn man will – gegen einige ausgewählte Artikel wie Taschen, Shirts und hübsche Regenschirme einlösen kann. Alles von hervorragender Qualität, aber eben kein „Cash“, das man bekommt. Und somit die Triebfeder „Geld“ schon mal ausscheidet. Entscheidend ist der Spaß an der Sache und die Bereitschaft, etwas Neues in der Hand zu halten, sich ein Urteil zu verschaffen und – wenn es überzeugt – gerne davon weiter zu erzählen. Bisher war ich bei 6 Projekten dabei und habe trnd gesagt, was daran gut ist und was nicht. Dieses Feedback und das der anderen Projektpartner wird an die Hersteller weiter gegeben, woraufhin diese ehrliche Meinungen zu ihren Produkten erhalten. Eben auch, ob diese gut oder scheiße sind. Ich finde, das ist eine bodenständige und persönliche Form des Marketings, die nicht manipuliert werden kann. Was gefällt, sagt man weiter, was doof ist, davor warnt man. Und das Ganze aus freien Stücken und nicht, weil man sich einen Vorteil davon erhofft.

Nun stoße ich aber immer öfter auf Beiträge von anderen Bloggerkollegen, die übertitelt sind mit „Trigami-Anzeige“. Äußerlich unterscheiden sich die Beiträge nicht von anderen Postings des Autors, aber das Merkwürdige ist eben, dass man den gleichen Sermon in abgewandelter Form auch auf anderen Blogs liest. Momentan macht die Sprachreise mit Besuch der „SONAR“, Europas größtem Festival für elektronische Musik, die Runde. Habe ich heute bereits in 3 Blogs gelesen. Da ich mich mit Trigami bisher nicht wirklich auskannte, habe ich mir deren Seite mal näher angeschaut. Das Prinzip von Trigami ist Folgendes:

Man meldet sich dort mit seinem Blog an und kann dann über Produkte und Kampagnen, die man interessant findet, im Rahmen von eigenen, selbst verfassten Blogbeiträgen, berichten. Dafür, dass man auf diese Weise Werbung macht (die Bloggerszene ist mächtig; die Blogbetreiber werden i.d.R. ernst genommen), bekommt man – na was wohl?

Geld.

Nun könnte man ja sagen, dass es auf freiwilliger Basis ist, was man da so Trigami-mäßig schreibt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Blogger auf diese Weise „gekauft“ werden. Gekauft für Produkte, deren Hersteller einen möglichst einfachen, breit gestreuten Vertriebsweg suchen. Und auch gekauft für Produkte, die nach dem Geldaspekt als würdig für einen Blogeintrag befunden wurden und nicht deshalb, weil man hinter dem Produkt steht und es in der Hand gehalten und guten Gewissens empfehlen kann. Bei Trigami entscheidet jeder selbst, wie er die Anzeigen platzieren und wieviel er verdienen möchte.

Obwohl ich hier keinerlei Werbung schalte, halte ich es nicht für verwerflich, wenn jemand in der Sidebar Anzeigen für Firmen bereithält, die etwas mit dem jeweiligen Blog zu tun haben. Der Stylespion hat z.B. Werbung für tolle Klamotten und Designerlampen in seiner Sidebar. Kein Problem, das nimmt man ihm ab, das passt zum Thema. Aber soll ich einen „feurigen“ Artikel schreiben, übertitelt mit „Trigami-Anzeige“, von einem Produkt, das ich nicht kenne, das ich mir ausgesucht habe, um damit Geld zu verdienen und der den Eindruck erwecken soll, dass ich das Produkt aus persönlichen Gründen toll finde? Und nicht zu vergessen: es ist leicht peinlich (finde ich zumindest), wenn man den gleichen Trigami-Artikel in zig anderen Blogs sieht. Aufgemacht wie ein „normaler“ Blogeintrag, der den Eindruck von Authentizität erwecken soll. Ich finde es nicht gut, dass Werbung nicht mehr von Meinungen unterschieden werden kann. Dass man aufpassen muss, ob der Blogeintrag überhaupt noch neutral verfasst ist. Ein expliziter „Werbeblock“ auf der Seite ist OK, da weiß man, dass es eben Werbung ist, mit dem sich der Blogger evtl. ein kleines Taschengeld verdient.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich mich irgendwann mal bei Trigami anmelde, einfach, weil ich wissen will, wie und ob das geht. Aber schade finde ich eben, dass auf diese Weise Blogeinträge generiert werden, die nur der Werbung dienen. Bei trnd gibt’s kein Geld, aber Erfahrungen, über die man oft gerne berichtet. Und das auch noch freiwillig.

Was denkt Ihr: sollten Blogger käuflich sein? Oder ist wohl überlegt platzierte Werbung in der Sidebar oder an anderer Stelle im Blog ausreichend? Oder vielleicht sogar überhaupt keine Werbung? Sagt’s mir!

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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11 Kommentare
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Gilly

Btw Martin, du kannst auch Werbung z.b. nur für Leute die über Google kommen anzeigen lassen oder Werbung für alle die hier mal Kommentiert haben ausblenden lassen:

http://www.meetinx.de/wordpress/who-sees-ads-wordpress-plugin-fuer-werbung-im-blog/

Gertrude

Wenn Du vorhast Deinen Blog Werbefrei zu halten,
dann ist das sicher nicht, Deines!

Das widerspricht eigentlich meinen Prinzipien, denn wenn überhaupt möchte ich gerne über Sachen schreiben, hinter denen ich stehe und guten Gewissens empfehlen kann.

Das funktioniert sicher so nicht-darum habe auch ich nur einmal geschrieben. Hinter einer Sache stehen,…
Hinter was soll ich stehen wenn ich es nicht kenne?

Gertrude

Trigami ist nicht schlecht, habe es schon ausprobiert.
Zu meiner Schande nur einmal.
Es ist nicht einfach über was zu schreiben, wo man keine Ahnung hat.
Aber man kann den Artikel bzw. Werbung auch nach schlagen, egal wo!
Ich finde es ok. wenn es auf den Blog passt.
Und ein wenig Geld hat noch keinem geschadet,..
Außerdem ist der Artikel ja auch von DIR geschrieben,…
LG aus Wien

Verena

Ich bin bei Trigami angemeldet, wurd aber nicht aufgenommen, wegen zu weniger Backlinks.
Bei der vorherigen Version meiner Seite hatte ich kleine Anzeigen von Google Adsense. Bin da immer noch angemeldet, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich weiter Werbeanzeigen in die Sidebar oder in den Footer packen soll. Geld verdienen wäre natürlich nicht schlecht, aber ich bin immer etwas skeptisch, was dieses ganze Geldverdienen im Internet angeht.
bei trnd bin ich auch, ich warte auf das nächste Projekt. gab lange nix mehr.

Gilly

Du kannst natürlich in TRIGAMI drüber schreiben ;) und ja, für mich hat es sich gelohnt, knapp 700€ 2008

Gilly

Hm, Trigami und Hallimash Anzeigen werden aber als solche am Anfang eines Artikels gekennzeichnet.

In einer Zeitung steht ja meist auch nur dünn – Anzeige – drüber

Danyo

An und für sich habe ich kein Problem mit Trigami, trnd und Co. (ich bin selber erst vor ein paar Monaten trnd-Mitglied geworden). Ob jemand Werbung auf seinem Blog schaltet bzw. erlaubt, ist schließlich jedem Blogger selber überlassen.

Was mich aus Lesersicht – neben der von dir angesprochenen Häufung des selben Themas/ Artikels – stört, ist, wenn man in vielen Fällen erst auf den zweiten, dritten oder erst vierten Blick erkennen kann, dass es sich um eine Trigami-Werbung handelt.

Im journalistischen Bereich ist die Handhabe eigentlich relativ einfach: redaktioneller Content und Werbung müssen klar voneinander getrennt sein bzw. muss Werbung als solche ersichtlich sein.

Diese eindeutige Trennung gibt es bei Blogs oftmals nicht, da, wie gesagt, Werbung als „getarnte Meinungen“ verkauft werden. Und genau das finde ich schade dem Leser gegenüber.

Gilly

Ich selbst schreibe Trigami Reviews und verdiene 1a Geld damit (und ja, ich melde das der Steuer).

Ich finde es vollkommen in Ordnung wenn Trigami oder Hallimash oder sonstewas Rezensionen in Blogs sind. Weiterhin finde ich auch Affiliate Links oder Werbebanner völlig in Ordnung.

Aber: Es muss erträglich sein und darf nicht an allen Ecken und Enden blinken! Ich denke, ich habe mit meinem Blog und dem weitestgehendem Verzicht auf Werbebanner, dafür aber halt mit Rezensionen einen guten Mittelweg gefunden.

Käuflich fühle ich mich deswegen nicht, mir werden manchmal bei Trigami auch Sachen angeboten, die ich komplett ablehne, weil Sie langweilig oder Thematisch völlig unpassend sind.