Die grauen Jammerer

So langsam fühle ich mich – zumindest was dieses Thema angeht – in Deutschland extrem unwohl. Denn es hat schon seinen Grund, warum wir als „Volk von Jammerern“ bezeichnet werden. Aber nicht nur das, wir Deutschen (oder zumindest einige davon) scheinen auch Hellseher zu sein. Und zwar solche, die eine Zukunft sehen, in der alles immer schlimmer wird und es nie nie mehr besser werden kann. Beispiel gefällig?

Bis 2015 werden die Entlassungen anhalten.
Bis 2015 werden die Entlassungen mindestens dauern. Danach wird es mit über 8 Mio. Arbeitslose und viele in Rente entlassenen eine Stagnation geben.

Diesen überaus prophetischen Post habe ich im Forum der Tagesschau zum Thema „Wirtschaftskrise erreicht Arbeitsmarkt“ gelesen. Aber nein, nicht dass Ihr meint, die Antworten auf diese Meinung würden z.B. lauten „Blödsinn, alles Schwarzmalerei“, nein: die meisten Kommentatoren stimmen diesem Herrn auch noch zu oder haben sogar eine andere Glaskugel, die noch schlimmere Zahlen bereithält:

Es könnten auch 15 Mio. Arbeitslose bis 2015 werden!

Mal ganz ehrlich. Nicht nur, dass hier irgendwelche Zahlen in den luftleeren Raum geworfen werden, die Stimmung in Deutschland wird auf diese Weise noch tiefer in den Keller gezogen als sie eh‘ schon ist. Es ist unglaublich, welche Pessimisten und Misanthropen in diesem Land ‚rumlaufen, die ihren unausgegorenen geistigen Bullshit auch noch der Öffentlichkeit präsentieren. Aber wie ich ja schon mal geschrieben habe, man muss sich nur die grauen, farblosen, desinteressierten Gestalten anschauen, die man allerorts antrifft. Menschen, die wahrscheinlich kurz nach ihrer Geburt aufgehört haben zu existieren und deren einziger Zweck darin besteht, das Klima in der Öffentlichkeit zu verseuchen. Die von ihren zynischen und dummen Eltern von Anfang an so erzogen wurden.

Obwohl noch nicht einmal hochbezahlte Wirtschaftsweise, die normalerweise Ahnung von dem haben (sollten) was sie verzapfen, bis in’s Jahr 2015 schauen können, denken anscheinend manche Leute, die mit solidem Nichtwissen ausgestattet sind, sie könnten gefährlichen Schwachsinn verbreiten, statt vielleicht mal ein bißchen Zweckoptimismus zu verbreiten, der uns allen gut tun würde. Oder einfach die Fresse halten. Denn mit Realismus haben solche haltlosen Aussagen wie die o.g. nichts zu tun. Da werden einfach mal ein paar an den Haaren herbei gezogene Zahlen in die Runde geworfen und die Masse der grauen Jammerer steigt darauf ein.

Meine Güte, was rege ich mich auf! Was hasse ich solche Menschen!

Nicht dass wir uns falsch verstehen: ja, ich weiß, dass wir eine globale Wirtschaftskrise nie geahnten Ausmaßes haben; ja, ich weiß, dass es momentan in vielen Bereichen überhaupt nicht rosig aussieht; ja, ich weiß, dass wir eine üble Rezession haben.

Aber wie ist Eure Meinung hierzu:  Sollte man jammern und resignieren oder lieber sagen „wir packen’s jetzt an!“? Was denkt Ihr darüber, dass solche Meinungen publik gemacht werden? Bitte auch nicht böse sein, dass ich einen so emotionalen Kommentar geschrieben habe, aber ich kriege gerade ein Magengeschwür…

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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14 Kommentare

  1. Und nun gibt es sicherlich wieder genug Hohlbrote welche auf die Straße gehen und gegen die Globalisierung demonstrieren :-)

    Haha ich liebe sowas…

    • *hüstel* Ohne Globalisierung wäre es weltweit nicht so weit gekommen, denn dann wären die Finanz- und Witschaftssysteme nicht so verzahnt und die Auswirkungen bei weitem nicht so immens. Denn dann würde es uns in EU nicht wirklich jucken, wenn das amerikanische Finanzsystem zusammenbricht, s. Schwarzer Montag 1987 (das europäische Wirtschaftssystem war davon mangels Globalisierung nicht betroffen).

  2. Das Problem ist ja, dass es meistens nicht die Dumpfbacken trifft die den Scheiss (sorry) verantworten sollten…

    Sehr treffend formuliert DarkVamp, so ist es leider!
    Die Manager und sonstige haben ja ihr Schäfchen im Trocknen :-(

  3. …dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Denn so ist es leider gelaufen :-(

  4. Das Problem ist ja, dass es meistens nicht die Dumpfbacken trifft die den Scheiss (sorry) verantworten sollten…

  5. Das stimmt leider ganz und garnicht Martin. Besonders SAP hat verdammt viel Verluste in den letzten 3 Jahren einfahren müssen und mehrere Tausend Leute vor die Türe gesetzt. Der Großauftrag hat ihnen der Himmel geschenkt !

    Außerdem arbeite ich NICHT in der Softwarebranche sondern in der Onlinebranche und da bläst ein kompletter anderer Wind. Woran sparen Firmen denn bitte als erstes wenn es ihnen mies geht ? GENAU ! An der Werbung. Und wir leben nunmal fast zu 100% von Werbung.

    Also ganz so rosig wie Du das siehst ist es eben nicht.

    Nichts desto trotz sind meine Chefs clevere Jungs und wissen was sie tun so das nicht jede kleinere oder größere Kriese sofort zu Entlassungen führt.

    • OK, Onlinebranche (ich hatte nach dem passenden Begriff gesucht). Aber nichtsdestotrotz sind die Branchen verschieden stark betroffen und Du kannst froh sein, in einer Firma zu arbeiten, bei der die Chefs umsichtig handeln. Aber wie Du sagtest, rosig ist es nicht momentan.

  6. So, ich beantworte jetzt mal alles schön der Reihe nach ;-)

    @Walter: Ob’s nur die sind, die Langeweile haben, weiß ich nicht. Es sind oft die, die vielleicht keine Langeweile haben, aber grundsätzlich „mit der Gesamtsituation unzufrieden sind“. Oder einfach nur vom Leben gefrustete Leute.

    @Aquii: Die Zahl wurde ja nur so dahingeworfen, genauso gut hätte er auch sagen können „in 20 Jahren gibt es 95% Arme und 5% Reiche“, also vollkommen haltlos in meinen Augen. Und vor dem „großen Wirtsschaftsaufschwung“, den wir in den Jahren vor 2006 erlebt haben, gab es auch zu viele „poor worker“, also kein neues Phänomen.

    @Gertrude: jammern ist ja OK, wenn man im Gegenzug was draus macht. Also sollten wir alle – Wiener, Koblenzer, Wasserburger und Sinziger schauen, wie wir das ohne große Schäden hinter uns bringen. (ich verkneife mir jetzt ein „Yes, we can“) :-D

    @Darkvamp: Ralf, Du arbeitest in der Softwarebranche, da ist die Krise schlicht und einfach nicht vorhanden. SAP hat gestern einen Monsterauftrag von der UN bekommen und auch allen anderen Softwarehäusern geht’s rel. gut. Es gibt einfach Branchen, die die Krise nie treffen wird, u.a. Bestatter und Müllentsorger. Aber Leute wie ich, die im produzierenden Bereich (im Sinne von „physisch vorhandenen Produkten“) arbeiten, ziehen sich im Moment warm an. Und hoffen, dass sie eine Geschäftsleitung haben, die umsichtig handelt und so Entlassungen vermeidet.

    Und die Spritkosten, Steuersenkungen etc. sind ein Produkt dieser Krise.

  7. Also mal ehrlich ! Ich bekomme von der „Kriese“ nix mit… Es wird auch ohne diese „Kriese“ seit JAHREN alles immer teurer.

    Seit der Kriese :

    – Ist der Sprit wieder billiger
    – Milchprodukte ebensfalls billiger
    – Steuern werden gerade minimal gesenkt
    – Kredite mit wesentlich besseren Konditionen sind möglich

    Klar ist mir auch bewusst das ich derzeit froh bin nicht am Fließband bei OPEL oder sonst einem PKW Hersteller zu stehen.

  8. Zu Deinen Artikel kann ich nur sagen,
    der Österreicher ist ein super „Jammerer“, dass wird uns schon in die Wiege gelegt!Auch ich jammere oft, aber dann ändere ich was!
    Meist ist es so das ich es aufschreibe, und mich aufrege über so viel Ungerechtigkeit auf dieser Welt.
    Ja, wenn wir alle anpacken würden,…
    Dann hätten wir eine schönere und bessere Gesellschaft!
    Ich kann nur sagen ich unterstütze dich!
    PACKEN WIR ES AN!
    Liebe Grüsse aus Wien

  9. Für so falsch halte ich die Aussage nicht, allerdings glaube ich nicht, das die Arbeitslosigkeit so stark steigen wird. Es wird vielmehr die Tatsache einytreten, das es deutlich mehr Leute gibt, welche der „working poor“ Klasse angehören werden, sprich von einem einzigen Job nicht mehr existieren können.

    Grundsätzlich ist deine Aufforderung richt, alle anzupacken. Meine Befürchtung dabei ist allerdings, dass die Früchte des Anpackens wieder nur bei wenigen ankommen werden, genauso wie der letzte Aufschwung.

  10. Ja Martin, du sprichst mir aus der Seele.

    Glaube, ich habe schon Grund und Ursache entdeckt: Ich denke, Grund ist einfach Langeweile. Denn nur wer dafür Zeit hat, jammert.
    Also lieber jammern, als was tun ….. denken sich wohl so einige.

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