Deutschlands häufigstes Wohnzimmer

Laut der renommierten Werbeagentur Jung von Matt sieht ein deutsches Wohnzimmer – Stand vor wenigen Jahren – ungefähr so aus:

Das ist ja sehr erfreulich und ziemlich gut recherchiert. Denn Jung von Matt sind ja wirklich Koriphäen, das gebe ich zu, und zwar wirklich ohne Ironie, denn sie gehören zu den besten und kreativsten Werbeagenturen Europas. Aber das ist heute nicht das Thema. Mein Thema ist das, was dort gezeigt wird. Also analysieren wir doch mal das ‚Deutsche Wohnzimmer‘ und versuchen zu ergründen, wo die Individualität geblieben ist.

Die Sofagarnitur ist anscheinend aus Mikrofaser („ist pflegeleicht“), sicherlich bequem („mit Federkern“) und hat eine gewisse Form. Superpraktisch das Ganze.

Dann haben wir noch einen „gefälligen“ Couchtisch mit Glasplatte (nicht ganz so pflegeleicht) und rundlichen Beinen aus Buche.

Die Schrankwand ist das Highlight. Riesengroß („passt viel ‚rein“), mit neckischen Zierelementen wie eingelassenen Sicken, innovativ-mutigen Türgriffen und einer ultra-praktischen Mittelablage für den Röhrenfernseher. Klar, sowas kostet viel Geld und man kann sich das sicher nur per Finanzierung leisten. Aber man holt sich ja nur alle 20 Jahre mal eine neue Schrankwand, und dafür fällt auch der Türkeiurlaub flach, weil man ja eine Anzahlung leisten muss. Sei’s drum. Dafür hat man echtes Buchenfurnier in topmodischer Optik.

Hervorzuheben sind außerdem die akustisch hervorragend platzierten Lautsprecher der Kompaktanlage, die gewagte Anordnung der Bilder und die hübschen Blumen (die sind wirklich mal hübsch).

Was will ich mit diesen Zeilen ausdrücken? Vielleicht, dass individueller Stil anders aussieht, sofern man sich Gedanken macht, wie man leben möchte und nicht einfach nur irgendwelche vorkonfektionierten, beliebigen Dinge kauft und einem schnurzpiepegal ist, ob man im Durchschnitt ersäuft.

Nachtrag: Stil ist keine Frage des Geldes 😉

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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2 Kommentare
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Lily

Das ist der 3-2-1-Familien-Reihen-Sarg. Zumindest was die Optik betrifft. Und es bleibt ein Geheimnis der Möbelfirmen, wie man in soviel Schrank-Masse so wenig Platz einbauen kann. Da gehört schon was zu.
Nee. Dann lieber Umzugskartons.

Lily

Sybilla

Also besonders gelungen finde ich das Bild ÜBER der Schrankwand… 😉 und du hast diesen individuell und aussergewöhnlichen Teppichboden vergessen… in grau würde ich sagen *grübel*. Und das allgegenwärtige mal super hippe CD-Rack :-P. Die Decken auf den Sofas sind bestimmt dazu da, dass die ausgelegt werden, wenn Besuch kommt und dieser sich darauf platzieren muss :-)… Meine Güte…