Der Versuch einer Kritik an DARK Komplizierte Gedanken zu einer komplizierten Serie

Ehrlich, ich habe seinerzeit „Fringe“ mit Genuss geschaut und sogar verstanden. Ich habe den Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ ebenfalls schon oft gesehen und auch verstanden, worum es ging (nicht nur ein wenig, sondern richtig). Sogar „Interstellar“ habe ich zu mindestens 95 % kapiert. Und so vieles mehr, an dem so mancher komplett dran verzweifelt ist. Aber vor einiger Zeit hat es mich erwischt, dass ich an einer Serie verzweifle. Die Rede ist von DARK.

Es ist fast unmöglich, in diesem Artikel nicht zu spoilern, deshalb habe ich Spoiler deutlich gekennzeichnet. Wer sie trotzdem anschauen möchte, klickt auf + Spoiler. Vielleicht ist ja der/die ein oder andere dabei, der/die die Serie nicht schauen möchte, aber trotzdem wissen will, was da vor sich geht oder sie vielleicht schon gesehen hat.

Was ist DARK und worum geht es?

Eine deutsche Netflix-Serie aus dem Genre Science Fiction/Thriller/Mystery, und zwar die erste deutsche Netflix-Serie. DARK ist ein Riesenerfolg und mittlerweile gibt es 3 Staffeln, und da die dritte Staffel einen ziemlich eindeutigen Schlussstrich zieht, ist sie wohl auch die letzte.

Die Serie spielt in der fiktiven Kleinstadt Winden, die geografisch wohl irgendwo in Hessen, Richtung Marburg, angesiedelt ist (es gibt Hinweise). Dort gibt es ein AKW und im Wald sind die „Windener Höhlen“, die schon ziemlich spooky aussehen. In der ersten Folge verschwindet ein Junge aus dem Ort und ein anderer Junge wird mit schweren Verletzungen aufgefunden – unter anderem hat er Verbrennungen an den Augen und seine Trommelfelle sind geplatzt.

Ja, und dann ist da noch dieses Atomkraftwerk, das auch ein bisschen merkwürdig ist. Viel mehr kann ich eigentlich nicht schreiben, weil bereits jetzt bei mir der Punkt einsetzte, wo ich die ersten Verständnislücken hatte. Ach ja, und da hätten wir noch eine Apokalypse biblischen Ausmaßes, die es zu verhindern gilt (oder auch nicht, je nach Sichtweise einzelner Charaktere in der Serie).

Spoiler
Man kommt relativ schnell dahinter, dass es um Zeitreisen geht, die Kausalitäten in der Vergangenheit und der Zukunft hervorrufen und letztlich in einer Katastrophe münden. In den Windener Höhlen gibt es einen Gang, der zum Atomkraftwerk führt, aber auch in eine andere Zeit (ich hoffe, das habe ich richtig rekapituliert). Mit jeder Folge und jeder Staffel wird deutlicher, dass es auch eine Zeitmaschine gibt und eine schwarze Materie, die wohl ebenfalls Zeitreisen ermöglicht. Und in Staffel 3 kommen auch noch Parallelwelten dazu…

 

Wie sieht DARK aus?

So, wie der Name vermuten lässt: dunkel, bedrohlich, freudlos. Aber auch unglaublich detailverliebt, hervorragend recherchiert, komplex. Die Ausstattung der Szenen ist dermaßen liebevoll, dass man sofort mittendrin ist. Ohne jetzt explizit zu spoilern, aber die Serie spielt in mehreren Zeiten: 1986, in den 50ern, 2052, 1890 und in der Jetztzeit. Dabei ist jede Epoche extrem gut in Szene gesetzt. Da stimmt jedes Detail! Die Musik tut ihr Übriges für die Stimmung in der Serie. Das täuscht aber alles nicht darüber hinweg, dass die Serie dermaßen düster und humorlos ist, dass man beim Anschauen fast in Depressionen verfällt. Alles, wirklich alles an der Serie ist spooky, dunkel, leblos und trüb. Und es scheint nie die Sonne. Wirklich.

Was ist mein Problem mit der Serie?

Dass man bereits nach kurzer Zeit nicht mehr durchblickt. Es wurde eine Serie geschaffen, die an totaler Überkomplexität leidet. Zugegeben, DARK ist ein Renner auf Netflix und wird hochgelobt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Zuschauer und Rezensenten die Serie auch nur ansatzweise verstanden haben. Seitens der Regisseure und Drehbuchschreiber wurde versucht, ein maximal komplexes Konstrukt herzustellen, damit man als Zuschauer gefordert wird. Ich jedenfalls wurde überfordert und ich denke, das geht vielen anderen auch so (sie würden es aber niemals zugeben).

Spoiler

Denn DARK hat bestimmt 10 Hauptdarsteller, das Ganze in mindestens vier Zeiten und in 3 parallelen Welten. Summa summarum sind das ca. 10 x 4 x 3 Personen in verschiedenen Altersstufen – wir reden hier also von 120 Charakteren in verschiedenen Altersstufen, die auch von verschiedenen Darstellen verkörpert werden. Da gibt es zum Beispiel die junge Martha, die „aktuelle“ Martha (in 2 Ausführungen, weil 2 Welten) und eine alte Martha. Um das Ganze noch ein wenig komplizierter zu machen, reisen die jeweiligen Personen fröhlich durch die Zeiten und die Welten, und zwar in allen erdenklichen Altersstufen! Und dabei begegnen sie oftmals ihren älteren oder jüngeren Ichs und werden von diesen teilweise getötet. Oder auch nicht. Oder fast.

Außerdem hätte man vielleicht die einzelnen Zeiten und Welten irgendwie kenntlich machen sollen, vielleicht durch das Einblenden von Jahreszahlen oder whatever. Stattdessen wechseln Zeiten und Welten teilweise fließend ineinander über, und zwar gerne mal mehrmals pro Folge.

Wenn – sinngemäß – der Sohn gleichzeitig der Vater ist, er diesen aber tötet und in der Parallelwelt auf eine weitere Inkarnation seiner Selbst trifft, die mit der Freundin aus dem Jahr 1986, die in der Zukunft einer weiteren Parallelwelt sich aber nicht an ihn erinnern kann, die Katastrophe verhindern will, die ohne sie nicht stattgefunden hätte…dann ist das der komplette Mindfuck! Und da steige ich dann aus, weil ich es fast schon unverschämt finde, das dem Zuschauer zuzumuten.

Ja, es geht darum, dass alles in Zyklen verläuft, aus denen es keinen Ausweg gibt. Alles geht von einem Ursprung aus, der aber erst in der letzten Folge aufgedeckt wird. Bis dahin werden viele falsche Fährten gelegt und mithilfe verschiedener Zeiten und Welten maximale Verwirrung erzeugt. Die, die man im Verdacht hatte, der Ursprung des ganzen Disasters zu sein (Jonas und Martha aka Adam und Eva), sind es nicht. Verschiedene rivalisierende Gruppen haben unterschiedliche Interessen (die einen wollen dem Spuk ein Ende bereiten, die anderen wollen die Zyklen aufrecht erhalten, und noch andere (soweit ich das richtig verstanden habe) wollen ein Universum, in dem keine Zeit existiert. Es ist zum Haareraufen!

 

Trotzdem habe ich DARK bis zum bitteren Ende geschaut. Und ich muss sagen, dass die letzte Folge mehr erklärt als die meisten Folgen davor, die einfach nur wirr durch Zeiten und Welten gesprungen sind. Trotzdem bleiben noch viele Fragen offen, die einfach nicht geklärt wurden oder ich vielleicht einfach nur zu doof dazu war, die Zusammenhänge zu verstehen.

Spoiler

  • Warum haben einige Personen Verbrennungen im Gesicht?
  • Was macht Noah für komische Experimente mit den Kindern?
  • Wenn die Zeitmaschine im Keller von Tannhaus der Ursprung für alle Vorkommnisse war, was hat es mit der dunklen Materie auf sich und mit der transportablen Koffer-Zeitmaschine?
  • In welchem Zusammenhang stehen die Anomalien im Atommüll, die letztlich die Apokalypse auslösen mit der Zeitmaschine von Tannhaus (die ja die Wurzel allen Übels war)? Wie kann Tannhaus die Zeitmaschine gebaut haben, ohne von der dunklen Materie gewusst zu haben?
  • Wieso gibt es eine Gruppe, die eine zeitlose Welt erschaffen will? Was erhofft sie sich davon?
  • Wer hat die kleinen runden Dinger gebaut, die Reisen in Parallelwelten ermöglichen?

 

Fazit

Ihr merkt es vielleicht: selbst bei dieser Rezension (oder was auch immer dieser Artikel sein mag) springe ich permanent zwischen den Themen hin und her. Kein Wunder, denn ich kann die Serie nicht fassen, nicht artikulieren, was ich da gesehen habe. Sie ist verstörend, hochgradig ärgerlich, aber auch faszinierend. Was bleibt, ist das schale Gefühl, das alles nicht verstanden zu haben. Und das nervt ungemein.

  • DARK ist keine Serie, bei der ich mich auf die jeweils nächste Folge gefreut habe. Klingt blöd, ist aber so. Ich dachte immer nur „och nee, in der nächsten Folge verstehst du ja doch wieder nur Bahnhof“. Ich habe mich darauf gefreut, coole Effekte zu sehen und endlich mal der Lösung des Ganzen näher zu kommen. Bedeutungsschwangere, pseudophilosophische Sätze wie „Der Anfang ist das Ende und das Ende ist der Anfang“ machten die Sache aber nicht gerade einfacher.
  • Es wurde eine Serie erschaffen, die so komplex ist, dass die Verständlichkeit leidet, wenngleich auch der Look perfekt ist. Das ist übrigens mein Anreiz gewesen, die jeweils nächste Folge zu schauen. Wegen der Handlung leider nicht, da mein Kopf schon abgeschaltet war, als ich die ersten Minuten einer Folge gesehen hatte.
  • DARK wurde übrigens anfangs mit „Stranger Things“ verglichen – dieser Vergleich passt meiner Meinung nach überhaupt nicht. Nicht mal im Ansatz. Man kann sie grob gesagt bestenfalls mit „Fringe“ vergleichen, aber nur, wenn man alles bis zum Ende geschaut hat.
  • Interessantes Detail am Rande: das sogenannte Bootstrap-Paradox ist hochinteressant. Handelt es doch davon, dass bei Zeitreisen Dinge existieren können, die nie erschaffen wurden. Da kann ich wieder mal nur sagen: Mindfuck-Alarm!
  • Das wahrscheinlich einzige witzige Element war der Song, der am Ende der letzten Folge während es Abspanns lief: „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ von Nena! Da muss ich rückblickend sagen: passte perfekt!

So, jetzt seid Ihr dran! Habt Ihr DARK gesehen? Und verstanden (und jetzt komme mir bitte keiner mit „war doch total einfach…“)? Wie ist Eure Meinung zur Serie? Schreibt mir gerne einen Kommentar!

 

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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3 Kommentare

  1. Hab in den letzten Tagen die 2. Staffel von Hanna angesehen. Das hat mir gut gefallen, obwohl ja ein bisschen SF auch drin ist. :-)

  2. Woran ich denken muss, wenn ich deinen Bericht über DARK lese? An meine Einstellung zu „Lost“. Ich habe sie mitten in der 2. Staffel verloren und nicht weitergeguckt. Dabei hat sie so viele Fans. Eigentlich habe ich immer gern SF geguckt. Aber je älter ich werde, desto weniger finde ich mich dabei noch wohl. Ich bin so gar nicht esoterisch angehaucht. Bei „Lost“ braucht der Zuschauer aber ein Faible genau dafür. Mal gucken, ob ich Dark anschaue. Ich glaube, ich hatte mir eine Folge angesehen und dann nicht weitergeguckt. Vor Kurzem habe ich Netflix gekündigt und dann doch wieder aktiviert, weil mein Großneffe (6 Jahre) ein Ultrafan von Ninjago ist… Du verstehst schon :-)

    Schöne Zusammenfassung übrigens. Danke für die Arbeit.

    • Stimmt, hat was von Lost. Aber alle, die schon Probleme hatten, Lost zu folgen, werden hier komplett überfordert sein.

      Ich mag gerne SciFi und Mystery, aber kein Fantasy, das ist mir auch zu esoterisch. Und wenn Drachen, Trolle, Hexen und Elfen im Spiel sind…nee, danke. Auch finde ich, dass es zu wenig gute Mystery und Hard-SciFi bei amazon und Netflix gibt.

      Aber Ninjago…kleine Kinder halt :-D

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