Der Held, der manchmal in die Nordsee fällt

Oh je, da habe ich einigen Leuten einen gehörigen Schrecken verpasst. Eigentlich war’s ganz anders geplant, die Idee war prima, aber ich war irgendwie schön blöd. Aber der Reihe nach.

Nachdem letzten Mittwoch beim Urlaub in Holland ein Wasserball innerhalb kurzer Zeit bei Ebbe in’s Meer getrieben wurde, hatten wir die grandiose Idee, dass das auch mit anderen Dingen gut funktionieren könnte. Und schon hatten wir die Idee mit der Flaschenpost! Man schreibt also einen kleinen Brief, steckt ihn in eine Flasche und wirft das Ganze den Wellen zum Fraß vor. Mal sehen, wo die Nachricht ankommt. Also haben wir uns aufgemacht und fleißig Briefe geschrieben – zweisprachig und schön verziert – und sie in ausgespülte und getrocknete Getränkeflaschen gesteckt.

Briefe und Flaschen

Deckel feste drauf geschraubt und auf den nächsten Tag gewartet. Der war allerdings sehr stürmisch, sodass wir vom Strand flüchten mussten und abends wiederkamen, als sich der Wind gelegt hatte. Es war ein superschöner Sonnenuntergang, als ich todes(!)mutig meine Klamotten auszog und mich in die Wellen begab.

Flaschenpost im Sand In den Wellen

Ich habe also alle 5 Flaschen, die wir mit Mitteilungen bestückt hatten, in’s Meer geworfen, wobei ich ein wenig hinausschwimmen musste und die Flaschen jeweils hinter die Wellen schmiss. Als ich am Ufer sah, dass Michelle mir zugewunken hatte, schwamm ich zurück und erfuhr, dass 3 Flaschen wieder postwendend zurück kamen. Also nochmal ‚raus und ein wenig weiter in die Nordsee schwimmen, um die Flaschen entsprechend weit zu werfen.

Doch plötzlich wurden die Wellen immer heftiger und die Nordsee zog mich immer weiter hinaus! Ich schwamm, so gut und schnell ich konnte, aber ich trieb immer weiter vom Strand ab, hinaus in’s Meer! Ich schluckte Salzwasser, die Wellen überschlugen sich über mir, ich begann vor Panik zu hyperventilieren und hatte…ANGST!!! Angst, dass ich das Ufer nicht mehr erreiche und immer weiter abgetrieben werde – zumal es immer dunkler wurde. Doch dann sah ich einen Wellenbrecher (das sind Bauwerke, die in’s Meer hinausragen und dafür sorgen, dass der Sand nicht weggespült wird) und schwamm in letzter Not auf ihn zu.

Ein Wellenbrecher - der rote Kreis zeigt, wo ich gelandet bin

Mit einem Riesen-Brecher von Welle wurde ich über die raue Oberfläche geschleift und zog mir ziemliche Schürfwunden zu: an den Händen, Bein, Po und Rücken. Ich stand auf, weil das die einzige Chance war, nicht nochmals über den Boden gezogen zu werden und versuchte, normal zu atmen. Der Untergrund bestand aus zerklüftetem, bewachsenen Stein, der ein Gehen fast unmöglich machte – jeder Schritt war schmerzhaft und dauerte lange. Doch irgendwann bin ich blutend am Strand angekommen, wo ich von einer verstörten Yvonne und 2 besorgten Kindern empfangen wurde. Alles Weitere steht im letzten Holland-Artikel.

Ich hoffe, die Flaschen finden ihren Weg zum möglichst weit entfernten Empfänger – damit die Mühe wenigstens nicht umsonst war. Und ich bin nie mehr so blöd und schwimme bei Ebbe in’s Meer hinaus…

Abgesehen von meinem Missgeschick: Eine Flaschenpost ist eine tolle Sache! Schreibt doch auch mal eine! Aber bitte macht nicht den gleichen Fehler wie ich, wenn Ihr sie aufgebt. Man kann sie z.B. von Bord eines Schiffes werfen oder in einen Fluss. Wichtig ist, dass jeder den Inhalt versteht und die Flasche bombenfest zu ist. Am besten schreibt Ihr den Brief mit Bleistift oder Buntstift, denn das ist wasserfest. Und vielleicht in englisch schreiben, denn das versteht jeder Empfänger.

Ich und Yvonne sind jedenfalls gespannt, ob sich auf die 5 Briefe irgendwann mal jemand meldet – und woher er/sie kommt.

Über Martin

Ich bin der Chefredakteur des Loft 75, dem "Magazin für das 21. Jahrhundert im Stil der 70er". Geboren 1969 in einem kleinen Ort im "Welterbe Oberes Mittelrheintal", somit > 40 Jahre alt und gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert und besitze auf jeden Fall eine kreative Ader, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und jetzt wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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11 Kommentare

  1. Und ich sachs nochmal: Zukünftig ist das Gefährlichste was ich mit Dir mache Bingo!!!!! Das ist absolut gefahrlos und vor allem erheblich nervenschonender. Und solltest Du jemals auf die Idee kommen irgendwas Gefährliches (Fallschirmspringen o.ä.) zu unternehmen, ich kette Dich an, mein Schatz!! (Achtung: das ist eine öffentliche Bekanntmachung :-))
    Ansosten bin ich auch gespannt, ob sich Dein voller Körpereinsatz gelohnt hat und ob, wann, wie und woher Antwort kommt. Mühe genug haben wir uns ja alle gegeben. Hoffentlich müssen wir nicht tatsächlich etliche Monate warten.

  2. In Deinem ALter sollte man haltbesser Jojo spielen oder Glasboot fahren, statt auf’s mehr hinaus zu schwimmen.

    ich war ja schon gespannt, was Du zu berichten hast – dass es so „knapp“ war, hätte ich nicht gedacht.

  3. Mann Mann Mann! Du machst mich echt fertig… Mach bitte nicht nochmals so einen Blödsinn herjeeeee

  4. Mensch Martin, du machst sachen!

    Vor dem Meer sollte schon Respeckt und Vorsicht vorhanden sein. Vorallem bei starken Wellengängen am Strand. Es entsteht ein Unbtersog der einen gnadenlos raus und unter Wasser zieht. Am besten mit Schwimmweste.

    Halte uns auf dem laufenden mit der Flaschenpost. Hast dort eine E-Mail Adresse angegeben?

    Grüße, Philipp

  5. Sehr spannende Geschichte – wie kann man nur so unvernünftig sein ;)

  6. Coole Aktion…und da hast Du auf jedenFall was zu erzählen, auch wenn Du vielleicht keine Reaktion auf die Flaschenpost bekommst ;-)

  7. @Yvonne: Ich tu’s nie wieder, ganz feste versprochen. Sollte ja eigentlich auch ein hübscher letzter Abend werden mit Eisessen in Knokke, aber wie es letzendlich passiert ist, habe ich Dir ja gesagt…sorry für die Selbstüberschätzung…

    @plerzelwupp: Hey, das mit dem Glasboot ist eine gute Idee! Aber die fahren irgendwie nur in Amsterdam ‚rum. War knapp, ja…

    @DarkVamp Versprochen, dass ich das nicht mehr mache. Ich will ja schließlich noch im Vollbesitz meiner Gliedmaßen und geistigen Kräfte die liebe Eva heranwachsen sehen :-)

    @Philipp: Ja, der Sog ist gewaltig, den werde ich nie mehr unterschätzen und in Zukunft nur noch mit den Füßen am Strand planschen ;-) E-Mail haben wir angegeben; bin mal gespannt, wer uns von wo schreibt. Und wenn, dann erstatte ich ausführlich Bericht.

    @Alex: Hey Alex, erstmal herzlich willkommen in diesem bescheidenen Magazin :-) Ja, war irgendwie merkwürdig, wenn einem eine Situation einfach so entgleitet… Unvernünftig war’s auf alle Fälle, aber das ist oft so „den einen Schritt kannste noch machen, da passiert nix“. Und dann zack! – bist Du nicht mehr Herr der Lage…

    @Spielkind: Naja, cool ist anders, meine Liebe :-) Aber vom Prnzip her hast Du recht. Flaschenpost ist schon was Tolles. So anachronistisch! Und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, ob mein voller Körpereinsatz was genützt hat.

    P.S.: die Wunden heilen ziemlich gut ab – prima!

  8. Grmpf. Schimpfen muss mit dir jahaaaaaaaaa (unvernünftig)
    So, und jetzt bin ich gespannt ob du Antwort auf die Flaschenpost bekommst ;)

  9. Jetzt macht den armen Martin nicht so fertig :-) Geschimpft hab ich schon ausreichend genug mit ihm!
    Aber jeder von uns ist doch garantiert schon mal in eine Situation geraten, in der er sich selbst überschätzt hat, sei es beim schwimmen, Auto fahren, Inliner fahren, Reiten, Treppen u.s.w. u.s.f.
    Wäre doch mal interessant zu erfahren, in welche brenzlige Situationen ihr schon mal geraten seid? Bei mir wars das Reiten, Treppe runter gehen und das eine oder andere mal beim Auto fahren

  10. Hallo Martin,
    ich schaue auch mal wieder bei dir vorbei.

    Die Sache mit den Meeresströmen scheint von vielen irgendwann in ihrem Leben einmal unterschätzt zu werden. Mir ist was ähnliches im Atlantik passiert – Ertrinken auf Ghomera wär´s dann doch nicht gewesen, und zum Glück habe auch ich dann noch die „perfekte Welle“ erwischt und kam – erschöpft, erschrocken und dankbar – an den Strand zurück. Also: Aufpassen…!

    Mach´s gut, mkh

  11. @mkh: Oh je, ich habe Dir gar nicht geantwortet :-( War keine Absicht, ehrlich – aber das hole ich jetzt gerne nach.

    Ja, ich habe das total unterschätzt – und ob auf Ghomera oder in Zeeland: man sollte dem Meer eine gehörige Portion Ehrfurcht zollen. Sieht toll aus, aber ist gefährlich one Ende. Aber zum Glück gibt’s uns beide noch – juchu!

    P.S.: Weyprechts Story habe ich nicht vergessen.. ;-)

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