Brauche ich Musik, die mir „gehört“? Streaming vs. Offline-Inhalte: ein Resümee

Nachdem ich mich durch eine Werbeanzeige bei Instagram habe breitschlagen lassen, den Musikstreamingdienst TIDAL unverbindlich zu testen, stelle ich mir die Frage: benötige ich überhaupt noch Musik auf CDs, MP3s etc.? Dieser Frage möchte ich im Folgenden nachgehen und gleichzeitig TIDAL näher vorstellen und der Frage nachgehen, wie man seine Playlist immer und überall dabeihaben kann – auch im Auto.

Dieser Artikel enthält KEINE Werbung, weder bezahlt noch unbezahlt. Hier geht es nur um die Erfahrungen, die ich persönlich gemacht habe und die für Euch vielleicht auch nützlich sind.

Muss mir Musik „gehören“?

Ich habe lange Zeit gedacht, dass nur Musik, die physisch vorhanden ist, sei es als CD oder MP3, mir auch wirklich „gehört“. Denn man hat etwas in der Hand oder auf der Festplatte, das man abspielen kann, wann man will. Nur so ist man der Herr über seine Musik. Bis zu einem gewissen Grad mag das auch stimmen, aber wenn man das Ganze rational durchdenkt, dann ranken sich auch viele Mythen und Missverständnisse um dieses Thema. Denn was ist eigentlich Musik? Ein Fetisch, den man unbedingt in irgendeiner greifbaren Form besitzen muss, um ihn genießen zu können oder ist Musik etwas Immaterielles, das aus wohlklingenden Informationen und Tönen besteht, unabhängig vom Medium? Man erwirbt letztlich nur eine Kopie der Musik, die man privat nutzen kann. Mehr nicht.

Ich habe festgestellt: Man muss den Titel und den Interpreten kennen, mehr nicht. Der passende Song ist dann überall verfügbar und irgendwo zu finden, unabhängig vom Medium.

Da müssen wir zunächst einmal die Frage klären, welchen Stellenwert Musik in unserem Leben hat. Für mich: definitiv einen großen. Ich besitze die mittelprächtige Anzahl von ca. 5.000 MP3s, ungefähr 200 CDs und 100 Schallplatten. Wann habe ich die letzte CD gehört? Es ist Jahre her. Wann habe ich die letzte Platte gehört? Ebenfalls – Jahre her. MP3s höre ich oft und bisher habe ich mir eine Playlist auf den USB-Stick gepackt, um meine Musik auch im Auto hören zu können. Musikstreamingdienste (MSD) waren für mich nie eine vollwertige Option, da ich im Auto eben keinen Stream empfangen kann, weil dies über die Mobilfunkverbindung einfach zu teuer ist. Da bin ich aber irgendwann auf den Trichter gekommen, dass die meisten MSDs auch eine Offline-Funktion anbieten. Hätte man auch schon früher drauf kommen können. Und so wurde das Thema „Streaming“ im Bereich Musik plötzlich super-interessant für mich.

TIDAL kurz vorgestellt

TIDAL ist ein MSD, der ursprünglich von einer schwedischen Firma gegründet wurde, mittlerweile aber Jay Z und anderen Musikern, u.a. Daft Punk (die sich leider aufgelöst haben), gehört. Er rühmt sich damit, Musik in grandioser Qualität und sogar Master-Qualität zu bieten. Dazu gibt es Musikvideos in extrem guter Bild- und Tonqualität, Podcasts und Dolby Atmos- sowie 360°-Audio-Inhalte. Zu jedem Album bekommt man außerdem vollständige Künstler- und Hintergrundinformationen. Und: es gibt eine Offline-Funktion!

Die Klangqualität

Trotz meiner mittlerweile 52 Jahre höre ich noch sehr gut, allerdings sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass man in diesem Alter noch den vollen Frequenzumfang von 20 bis 20.000 Hz hören kann. Geht nicht, Punkt. Das Gehör ist mittlerweile schon zu stark gealtert. Deswegen kann ich nur den Kopf darüber schütteln, wenn Menschen in meinem Alter angeblich den Unterschied zwischen einer perfekt codierten MP3-Datei und Losless-Audio heraushören können. Ich behaupte, dass das nur die wenigsten Menschen im fortgeschrittenen Alter können. Ich höre Tidal mit 224 kBit und kann mich nun wirklich nicht über den Sound beschweren.

Die Auswahl

Mehr als 70 Millionen Titel sollten fürs Erste ausreichen, denke ich. Auch exotische Sachen sind dabei, beispielsweise von der deutschen Band Farfarello, den Excrementory Grindfuckers und sogar Schorsch Kleber aus dem Almenhof in Oberstdorf. Natürlich auch fast alles andere, in diversen Mixen, Special-EPs und so weiter. OK, ich vermisse auch manche Interpreten, aber das sind nur wenige.

Das Preis-/Leistungsverhältnis

Youtube Premium kostet € 11,99 pro Monat, Spotify, Deezer und TIDAL jeweils € 9,99. Dabei ist TIDAL wahrscheinlich der einzige Dienst, der verlusfreie HiFi-Qualität hat und selbst im kostenlosen Probemonat schon alle Funktionalitäten bietet. Zudem ist er auf allen wichtigen Plattformen wie Windows, Android, iPhone und Amazon verfügbar. TIDAL ist somit nicht teurer als die anderen großen Streaming-Plattformen, bietet aber den bestmöglichen Sound. Die Smartphone-App ist außerdem sehr gut bedienbar und verfügt über unterbrechungsfreies Streaming. Somit würde ich das Preis-/Leistungsverhältnis als gut bezeichnen.

Wer bereit ist, € 19,99 monatlich auszugeben, erhält außerdem sehr viele Titel in Master-Qualität – diese stellt den ultimativen Sound dar. Wobei man sich fragen muss, ob man so audiophil ist, dass man das braucht. Und vor allem: ob man über dermaßen gutes Equipment und die dazugehörigen guten Ohren verfügt, dass man den Unterschied zur „normalen“ Qualität überhaupt hört.

Mein Musik-Setup im Auto

Mein Auto hat nur eine rudimentäre, aber klanglich dennoch erstaunlich gute Musikanlage mit USB- und AUX-Anschluss sowie einem CD-Player. Bluetooth hat es leider nicht. Wie also bekommt man die Musik, die man offline auf dem Smartphone verfügbar hat, im Auto gestreamt? Nun, das ist einfacher als man denkt. Denn es gibt Bluetooth-Transmitter, die in den AUX-Anschluss gesteckt werden und auf diese Weise kann man Musik kabellos und in guter Qualität über das Autoradio hören. Dieser Adapter hat gerade einmal  €11,99 gekostet und macht richtig Spaß! Er hat zwar eine Haptik, als käme er direkt aus dem Kaugummiautomaten, tut aber seit Monaten verlässlich seinen Dienst. Somit ein Tipp für jeden, der ein älteres oder einfacheres Auto mit AUX-Anschluss hat, aber trotzdem nicht auf Komfort verzichten will.

Wenn Du einen USB-Anschluss im Auto hast, kannst Du den Adapter sogar permanent laden. Einfach ein beliebiges USB-Kabel in den Adapter und die andere Seite in den USB-Anschluss im Auto.

Der genannte Adapter hat übrigens auch eine integrierte Freisprech-Einrichtung für das Handy mit an Bord. Die klappt sogar sehr gut: die Sprachqualität ist prima und die Umgebungsgeräusche werden einwandfrei herausgefiltert.

Die TIDAL-App auf meinem Smartphone habe ich stets gut mit Offline-Inhalten gefüllt, die ich dann ohne Datenverbrauch auf das Autoradio streamen kann. Dabei steckt das Smartphone in einer Kfz-Halterung und ist immer gut erreichbar. Die Musiksteuerung erledige ich entweder über einen Knopf am Bluetooth-Adapter oder direkt über die App. Das klappt prima.

Bluetooth-Adapter + MSD + Smartphone

So einfach kann das sein:

  1. Du brauchst – wenn Dein Auto kein Bluetooth hat, aber einen AUX-Anschluss, einen Bluetooth-Adapter.
  2. Jetzt fehlt noch ein Account beim Streaming-Anbieter. TIPP: Amazon Prime Music bietet Dir als Prime-Kunde eine reichhaltige Auswahl an Musik, die auch offline als Playlist gespeichert werden kann. Ansonsten kannst Du Dich auch bei Spotify, Deezer oder TIDAL anmelden.
  3. Zu guter Letzt brauchst Du ein Smartphone, auf dem die App Deines jeweiligen Streaming-Anbieters läuft. Diese Musik überträgst du mittels des Bluetooth-Adapters an Dein Autoradio oder was-auch-immer.
  4. Fertig.

Wie lautet mein Fazit?

Bei monatlichen Kosten von ca. 9,99 € und einer einmaligen Anschaffung in Höhe von 11,99 € (zzgl. Smartphone, aber das hast Du sicher) ist das Ganze ein preiswertes Vergnügen. Nichts mehr rippen, digitalisieren, aus fragwürdigen Quellen in noch fragwürdigerer Qualität herunterladen, sondern einfach die Musik in eine Offline-Playlist herunterladen oder als komplettes Album speichern. Für mich perfekt – nicht nur, um Musik im Auto zu hören.

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Über Martin

Ich bin und war es immer, der Chefredakteur des alten und des neuen Loft 75, dem illustrierten Magazin aus dem 21. Jahrhundert. Geboren 1969 in einem kleinen Ort im Welterbe Oberes Mittelrheintal und somit gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert, bin stets kreativ und reduziere Dinge auf das Wesentliche, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und seit einigen Jahren wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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