7 Fragen an: BRENT

Liebe Leser, heute habe ich eine absolute Premiere für Euch! Brent, der CEO und kreative Kopf von Electric Farm Entertainment, beantwortet 7 Fragen für das Loft 75. Electric Farm Entertainment hat u.a. die super-spannende Stop-Motion-Serie „Afterworld“ ausgeheckt, die bis letztes Jahr auf Pro7  und im Web lief. Um Afterworld, aber auch Brents neueste Serien und natürlich um die Person geht’s heute. Ich habe alles in deutsch übersetzt, aber verlinke selbstverständlich auch das englischsprachige Original-Interview (leider in übelst unformatierter Form, sorry…).

Ich wünsche Euch viel Vergnügen beim Lesen und spannende Einblicke in die Welt eines interessanten und kreativen Menschen, der uns sicher noch einige innovative Mystery-Serien bescheren wird.


Brent, jeder, der „Afterworld“ bei Pro7 gesehen hatte, hat noch ganz viele Fragen. Kannst Du uns einen kleinen Hinweis geben, was mit der in „Afterworld“ gezeigten Welt geschah? Oder möchtest Du lieber warten, bis die letzte Staffel fertig ist? Und wenn ja, wann wird das sein? Wird „Afterworld“ jemals fertig gestellt? Bitte einen klitzekleinen Hinweis…

Am Schluss von Episode 130 sieht man, dass die PARTHIA GROUP ein nano-technologisches Experiment durchgeführt hat, das zu einem fatalen, unerwarteten Ergebnis führte. Einige Details des Experiments werden in den Folgen 121-125 verraten. Aber die große Frage ist eigentlich: warum hat PARTHIA das Experiment überhaupt durchgeführt? Ich kann Euch die Antwort nicht verraten, weil Ihr sonst direkt bescheid wüsstet… So viel kann ich aber verraten: es gibt im Verlauf von Russells Reise mehrere eindeutige Hinweise, was es damit auf sich hat. Schaut Euch mal die Episoden an, die in Philadelphia und Serpent’s Mound spielen…

Die Zukunft von „Afterworld“? Nun, wir haben immer noch vor, eine zweite Staffel zu produzieren. Mit weniger Episoden, aber viel interaktiver! Man mag das gut oder schlecht finden, aber Electric Farm Entertainment hat in den letzten Jahren eine ganze Menge Erfolg gehabt und wir hatten einfach keine Zeit mehr, „Afterworld“ fertig zu stellen. Aber wir hoffen, dass wir das 2010 schaffen werden.

Jetzt aber mal ein ganz anderes Thema. Dir kommt das Thema „Afterworld“ sicher auch schon zu den Ohren ‚raus – auf jedem Blog, jeder Seite wirst Du danach gefragt. Das ist sicher auch langweilig. Deshalb frage ich jetzt mal nach ein paar interessanten Fakten über die Person Brent Friedman. Wo wohnst Du und gefällt es Dir dort? Hast Du Kinder? Bist Du verheiratet? Welche Hobbys hast Du? Und was möchtest Du unseren Lesern sonst noch über den „privaten Brent“ erzählen?

Ich wohne auf einer Insel im Staat Washington, bin seit 18 Jahren verheiratet, habe zwei Kinder und einige Haustiere. Vor 6 Jahren bin ich mit meiner Familie dorthin gezogen, weil ich sie nicht dem total durchgeknallten Leben in Los Angeles aussetzen wollte. Und weil der Nordwesten der USA so schön ist, verbringen wir viel Zeit mit Wandern, Radfahren und (jetzt müsst Ihr mir weiter helfen: „crabbing“ – Krabben sammeln oder was..? Anm. d. Red.).

Wenn ich nicht gerade für Electric Farm Entertainment arbeite, dann zocke ich mit meinem Sohn Spiele oder übe Gitarre. Bei uns im Haus gibt’s kein Kabel – oder Satellitenfernsehen im klassischen Sinne. Ich lese viel und sammle Erstausgaben meiner Lieblingsautoren, z.B. Philipp K. Dick, H.P. Lovecraft, Thomas Pynchon, Flannery O’Connor, T.S. Eliot und Charles Dickens.

Erzähl‘ uns doch mal ein bißchen aus Deinem Leben: was hast Du gelernt? Wo liegen Deine Stärken? Und warum hast Du Dich für einen Job im TV-Business entschieden?

Damals war ich auf der UCLA und habe einen Abschluss in kreativem Schreiben gemacht. Ursprünglich hatte ich vor, richtig pathetische, amerikanische Romane zu schreiben. Tja, und dann verkaufte ich ein Filmscript, als ich noch auf dem College war. Daraus wurde ein übler Film namens „Evil Altar“, den Ihr Euch bitte nicht anschauen solltet :-). Und irgendwie begann damit meine Karriere im Film- und Fernseh-Business…

Ich habe bei vielen TV-Serien als Drehbuchautor mitgearbeitet und besitze unzählige, unfertige Entwürfe für weitere Drehbücher, die fast nie zu Ruhm und Ehren kamen. Vor ca. 5 Jahren fing Hollywood an, mich gewaltig zu nerven und ich begann, Drehbücher für Videogames zu schreiben. Ich lernte dadurch eine ganz neue Art kennen, wie man Geschichten erzählen kann. Und irgendwie war das der Startschuss für „Afterworld“, das ebenfalls den einfachen Trick anwendet, die erste Szene kurz und knapp zu halten und dann den ganzen Rest im Verlauf der Handlung unterzubringen. Das ist auch der Grund, weshalb die gesamte Vorgeschichte von „Afterworld“ in nur 2 Minuten erzählt ist, als Russell nach dem merkwürdigen Ereignis im Hotelzimmer aufwacht. Wer Russell aber wirklich ist und was passiert ist, erfährt der Zuschauer erst im Lauf der Serie.

Die Arbeit mit digitalen Medien hat mich von meiner damaligen Langeweile befreit. Wenn ich jetzt eine Story schreibe, dann halte ich mich nicht mehr an Konventionen. Deshalb kann ich Stories schreiben, die medienübergreifend sind und dem Zuschauer eine ganz neue Art des Erlebens bieten, die alleine mittels Film oder Fernsehen gar nicht möglich wäre. Ich bin mir sicher, dass das vollkommen neue Möglichkeiten bietet: eine Geschichte in „360°“ zu erzählen. Das kann ich echt gut!

Irgendwie bist Du über mein Blog gestolpert – entweder zufällig oder per Trackback. Ich schreibe in deutsch, kannst Du das überhaupt verstehen? Oder kennst Du jemanden, der meine Texte in englisch übersetzt? Liest Du noch andere internationale Blogs?

Ich bedanke mich zunächst herzlich bei Google, dass ich Dein Blog komplett in englisch lesen kann :-) Naja, nicht vollständig übersetzt, aber immerhin leserlich. Das klappt eigentlich ganz gut bei den meisten Sprachen, außer vielleicht chinesisch oder griechisch, die ja ein ganz anderes Alphabet benutzen.

Da alle unsere Serien weltweit ausgestrahlt und meistens in die jeweiligen Landessprachen übersetzt werden, schaue ich öfters mal im Web, was andere über unsere Projekte schreiben. Wenn ich da einen Blogger – so wie Dich – entdecke, der sich die Zeit genommen hat, einen Artikel über eine unserer Serien zu schreiben, dann bedanke ich mich bei ihm, indem ich einen Kommentar hinterlasse. Oft entwickelt sich daraus ein Dialog und manchmal auch ein Interview wie dieses hier.

Dies hier ist kein Standard-Interview, wie Du sicher bemerkst :-) Und jetzt interessiert mich einfach mal Deine Meinung über Deutschland – viele Amerikaner und auch Leute aus anderen Ländern haben manchmal merkwürdige Vorurteile gegenüber uns. Wir stehen nicht auf Nazis und essen auch nicht die ganze Zeit Sauerkraut :-D Warst Du schon mal in Deutschland? Wenn ja: wie ist Deine Meinung? Wenn nein: welche Erwartungen hast Du an das Land und die Leute?

Ich war schon in ziemlich vielen europäischen Ländern, aber leider noch nicht in Deutschland (abgesehen von einer Zwischenlandung in Frankfurt/M., als ich nach Griechenland geflogen bin). Allerdings habe ich schon mit Rola Bauer von der bekannten Produktionsfirma TANDEM COMMUNICATIONS (die momentan „Die Säulen der Erde“, den monumentalen Roman von Ken Follett, als achtteilige Fernsehserie realisieren wird – Anm. d. Red.) zusammen gearbeitet. Außerdem habe ich einige gute Freunde in Deutschland. Ich habe eine sehr gute Meinung über Euer Land, nach allem, was ich gehört habe und freue mich, Euch bald mal einen Besuch abzustatten. Und was ich natürlich gerne machen würde, wenn ich da bin: zum Oktoberfest, Eure vielen Burgen besuchen und natürlich mit einem ziemlich teuren BMW über die Autobahn fahren!

Zurück zum Thema „Film und TV-Serien“. Und natürlich „Mystery“! Denkst Du, dass sich Eure Zuschauer solche Fragen stellen wie „Gibt es merkwürdige Dinge oder gar Verschwörungen, die sich im Hintergrund des Weltgeschehens abspielen?“ oder aber „was ist der wahre Sinn des Lebens? Was steckt dahinter?“. Oder könnte es vielleicht sein, dass sie einfach nur Mystery-Serien und -Filme mögen, weil sie Kurzweil bieten und niemand denkt wirklich darüber nach, was sich der Autor dabei gedacht hat? Einfach nur der ein oder andere entspannende Abend nach einem harten Arbeitstag, das war’s auch schon? Ohne weiteres Hinterfragen, nur eine kurzweilige Episode im Fernsehen?

Wenn ich mir die Reaktionen zu „Afterworld“ so anschaue, merke ich, dass die Reaktionen des Publikums ziemlich gespalten sind, was dieses Thema angeht. Manch einer sieht sich gerne Serien an, die irgendwas mit Verschwörungstheorien (ein Genre aus dem Bereich „Science Fiction“, wenn man so will) zu tun haben – vielleicht, um lediglich aus der Alltagswelt zu flüchten. Wiederum andere lesen viele Bücher und sind sehr neugierig, was Verschwörungstheorien angeht, weil sie in dieser Thematik einen Bezug zu ihrem Alltagsleben, ihren Ängsten und ihrem Glauben sehen.

Ich persönlich mag Stories, in denen Fakten und Fiktion vermischt sind, so wie in „Afterworld“. Das hat was von einem Videogame oder einem Puzzle: man macht sich Gedanken, was hinter dem Ganzen steckt. Wir haben die Serie bewusst so komplex aufgebaut, dass man sich die einzelnen Puzzleteile zusammen suchen muss und dass die jenigen, die wirklich an dem Geheimnis interessiert sind, die vermeintlichen Auflösungen innerhalb der Story finden können. Ich hoffe, dass wir es schaffen, die 130 Folgen von „Afterworld“ fertig zu stellen und eine Story erzählen, die Ihr wirklich richtig gut findet!

Jetzt mal etwas ganz Anderes (Monty Python würden sagen: „Now to something completely different“): was ist Dein perfektes Barbecue-Rezept? Und wenn Du kein Grill-Fan sein solltest – hast Du ein anderes, geheimes Rezept, das Du uns gerne verraten möchtest? In meinem Blog geht’s ja auch um’s Kochen und Braten, deshalb würden meine Leser gerne Deine Empfehlung bezüglich „lecker Essen á là Electric Farm Entertainment“ bekommen!

Meine Frau kommt aus Griechenland und wir grillen gerne Lammfleisch. Aber mein persönlicher Favorit ist das „Barbecued Flank Steak“. Und so einfach geht’s:

Das Flank Steak (beim Metzger nachfragen: das ist ein Steak aus der Rinderflanke) in einer Mischung aus Soja- und Teryaki-Sauce mit Knoblauchsalz, Ingwer und braunem Zucker mindestens 12 Stunden marinieren. Dann auf den richtig heißen Grill legen und alle paar Minuten umdrehen, bis es außen braun ist und innen noch schön saftig. Flank Steaks sind so dünn, dass sie auch nach dem Grillen noch eine Zeitlang nachgaren. Der Trick ist, dass man das Steak danach schnell in kurze  Streifen quer zur Faser schneidet, damit alles perfekt wird.

Hmmm, ich kriege jetzt schon Hunger, wenn ich nur daran denke ;-)

So, und nun die letzte Frage – Nummer 8 von 7 ;-) Es geht um die Zukunft von Electric Farm Entertainment. Wie sehen Eure weiteren Pläne aus? Vielleicht ein Kinofilm? Oder lieber noch einige TV-Serien? J.J. Abrams („Lost“) war ja der King in Bezug auf TV-Serien, bis er „Star Trek“ verfilmt hat. Jetzt ist er eine große Nummer in Hollywood. Aber wie sieht’s bei Euch aus? Filme mit ganz neuen, bahnbrechenden Ideen oder eher Stoff von etablierten Science-Fiction-Autoren wie Isaac Asimov oder Robert Silverberg? Oder vielleicht eine Story, die man in einem Film so noch nicht gesehen hat? Wie sieht EURE Zukunft aus?

Bei Electric Farm Entertainment entwickeln wir momentan für MTV die Fortsetzung von „Valemont“. Das ist eine ziemlich einzigartige, interaktive Serie, in der es um Vampire geht und die auch bald im deutschen Fernsehen zu sehen sein wird. Außerdem basteln wir momentan an diversen, sehr ambitionierten neuen Projekten, die wesentlich mehr Interaktivität beinhalten. Mein persönliches Ziel ist es, Erzählungen im Stil einer TV-Serie mit einem Videospiel zu kombinieren. Ich habe ja schon geschrieben, dass ich nicht mehr oft fernsehe – meine letzte Lieblingssendung war „Twin Peaks“ – aber ich schaue mir sehr viele Kinofilme an. Als Autor versuche ich, aus allen verfügbaren Formaten das meiste herauszuholen und neue Wege zu gehen, Geschichten zu erzählen, indem ich alle verfügbaren Technologien und Möglichkeiten nutze, die mir zur Verfügung stehen. Als kreativer Mensch lebt man momentan einfach in einer sehr spannenden Zeit, weil sich im Bereich der Unterhaltung sehr viel verändert. Und alle, die mit digitalen Medien arbeiten, bestimmen, wie die Zukunft aussehen wird.


Lieber Brent, vielen herzlichen Dank, dass Du dich bereit erklärt hast, für das Loft 75 die 7 8 Fragen zu beantworten! Wer „Afterworld“ noch nicht kennt, ist jetzt sicher neugierig. Und „Valemont“ gibt’s auch schon bei YouTube (in englisch).

Über Martin

Ich bin der Chefredakteur des Loft 75, dem "Magazin für das 21. Jahrhundert im Stil der 70er". Geboren 1969 in einem kleinen Ort im "Welterbe Oberes Mittelrheintal", somit > 40 Jahre alt und gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert und besitze auf jeden Fall eine kreative Ader, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und jetzt wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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Ein Kommentar

  1. Hallo,
    vielen Dank für die super Anleitung! Echt witzig! Ich habe auch damals eingeguckt :D

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