Schöner fotografieren – mit der Canon EOS M10

Damit fing alles irgendwie an. Jedenfalls so richtig.

Ich habe schon als Kind gerne fotografiert, ohne genau zu wissen, was ich da eigentlich tue. Meine Mutter hatte einen uralten Kodak Instamatic-Fotoapparat, der im Urlaub der ständige Begleiter war, als ich noch ein Kind war. In den 80ern kam das merkwürdige Disc-System von Kodak auf, das zwar einfach zu handhaben war, aber grottige Bilder machte, weil der Film einfach zu winzig war. Zwischendurch hatte meine Mum mal einen Ritsch-Ratsch-artigen, wirklich üblen Fotoapparat von Tchibo, wo man diese Einweg-Blitzwürfel draufstecken konnte, die es im Zehnerpack gab. Die Instamatic und die Disc-Kamera habe ich heute noch.

Also beschloss ich mit 16 Jahren, das Fotografieren zu lernen und kaufte mir eine gebrauchte Ricoh KR-10, eine klassische Spiegelreflexkamera. Jetzt konnte ich endlich selbst ausprobieren, wie die Zusammenhänge zwischen Blende, Belichtungszeit und Filmempfindlichkeit sind. Man legte also einen Film ein und fotografierte mit verschiedenen Einstellungen, aber das Ergebnis konnte leider erst dann begutachtet werden, wenn der Film entwickelt war, was schon mal ein paar Tage dauern konnte. Aber so lernte ich es und machte meine ersten richtig guten Fotos. Auch ein Fotobuch, das ich mir gekauft hatte und das die wichtigsten Basics erklärte, war dabei sehr hilfreich.

Mit der Zeit kam immer mehr Equipment dazu: ein Weitwinkelobjektiv, ein Tele von Tamron, diverse Filter, ein Stativ und eine Tasche, um das ganze Geraffel zu verstauen. Ich hatte also immer die schwere Umhängetasche dabei, wenn ich Fotos machen wollte. Das war leider sehr umständlich und man musste schon vorher wissen: „Heute will ich Fotos machen!“. Das hatte mit Spontaneität wenig zu tun, wenngleich auch die Bilder immer besser wurden, die ich gemacht habe. Und ich habe viel experimentiert, gerne auch mit Langzeitbelichtungen. Irgendwann habe ich die Ricoh einer guten Freundin vermacht, die hoffentlich (ich habe keinen Kontakt mehr zu ihr) auch viel Freude damit hatte.

Danach besaß ich eine Canon IXUS und eine Rollei, beide mit Film, beides Kompaktkameras. 2001 schließlich war die Digitalfotografie insoweit ausgereift, dass man damit vernünftige Bilder machen konnte, in meinem Fall mit 3,5 Megapixeln. Es war eine Casio QV3500 EX, die mir sehr viel Freude bereitete, die dann aber auch nach einigen Jahren ausgedient hatte, nachdem ich sehr, sehr viele Fotos mit ihr geschossen habe. Mein weiteres fotografisches Dasein war eher unstet; von Kompaktknipsen von Canon und Panasonic bis hin zu einer großen Bridgekamera von Fujifilm, der S6500fd, war alles Mögliche dabei, auch das Smartphone: vom hervorragenden Lumia 820 über das herausragende Lumia 1020, über das mittelmäßige Lumia 640 bis hin zum Honor 6x, das ich momentan besitze (und das ein wirklich sehr gutes Smartphone mit einer brauchbaren Dual-Kamera ist). Eine Spiegelreflex kam für mich nicht infrage, denn die sind nicht nur teuer, sondern haben das gleiche Problem wie meine alte Ricoh – sie sind groß und schwer. Und genau das war das alte Problem, was ich nicht mehr haben wollte.

Mein Traum von einer Kamera…

…war ein System, das so leicht und transportabel ist, dass man es eigentlich immer dabei haben kann, das aber alle Möglichkeiten der manuellen Einstellung bietet. Bei dem man Objektive wechseln kann, das einen ordentlich großen Bildsensor hat, gute Konnektivität und das zudem erschwinglich ist. Ich habe vor 3 Jahren das erste Mal von spiegellosen Systemkameras gehört, die das bieten, was ich brauche. Aber hey, das Smartphone macht doch auch schöne Bilder, und das reicht doch, oder? Nein, tut es nicht mehr. Es musste wieder etwas „Richtiges“ sein. Also habe ich – wie Männer das gerne mal machen (Frauen sicher auch) – mich an einem Samstag Abend hingesetzt und recherchiert, welche Kamera es denn sein darf. Natürlich nicht mit einer Kaufabsicht, nein, nein, „nur mal so“. Und irgendwann, nachdem ich stundenlang gelesen und verglichen habe, drückte ich den „Kaufen“-Button und war 300,- € ärmer – aber glücklich! Denn wenige Tage später sollte ich meine neue Canon EOS M10 in Händen halten.

Eine neue, alte Welt

Denn einerseits bietet mir meine Canon all das, was ich immer schon haben wollte, andererseits aber gehe ich „back to the roots“, denn das, was ich vor vielen Jahren mit meiner Ricoh erlernte, kann ich nun wieder anwenden und umsetzen. Damit Ihr Euch das gute Stück mal ansehen könnt, habe ich eine kleine Galerie vorbereitet (die Bilder habe ich übrigens mit meinem Smartphone gemacht).

Die M10 (ja, es ist eine echte EOS!!) hat 18 Megapixel, einen APS-C-Sensor wie die großen EOS-DSLRs von Canon, kann ein WLAN aufspannen, um Bilder zum Smartphone zu übertragen und einen sehr, sehr guten Touchscreen. Jeder ambitionierte oder gar professionelle Fotograf wird jetzt sicher die Nase rümpfen, weil gerade ein Touchscreen, aber auch die sehr reduzierten Bedienelemente ein No-Go für ihn sind, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Meine Kollegin C., die schon sehr lange semi-professionell fotografiert, sagte: „Die hat ja die gleichen Einstellungen wie meine Große!“. Natürlich kann man von einer 300,- €-Kamera mit Kit-Objektiv sicher nicht die Leistungen erwarten, die man bei einer großen Canon-Spiegelreflex bekommt, aber es geht schon sehr in die richtige Richtung.

Was auch toll ist: mit einem günstigen Adapterring können die großen Canon-Objektive verlustfrei genutzt werden. Und man kann im RAW-Format fotografieren, was sehr viel mehr Spielraum hinsichtlich der Nachbearbeitung bietet. Das umklappbare Touch-Display ist auch eine richtig tolle Sache. Die M10 hat allerdings keinen externen Blitzanschluss (brauche ich nicht) und auch keinen Anschluss für Fernauslöser (brauche ich auch nicht, da nehme ich das zeitverzögerte Auslösen).

Meine bisherigen Erfahrungen und wie es weitergeht

Die Kamera macht sehr gute Bilder. Der Vollautomatik-Modus ist prima, aber ich empfinde es als unsportlich, damit zu fotografieren. Das ist aber nur mein persönlicher Anspruch. Ich bin ein Fan der Zeitautomatik, das war ich auch schon damals bei meiner Ricoh. Das heißt: ich wähle die Blende und die Empfindlichkeit, um die Belichtung kümmert sich die Kamera. Generell versuche ich, die Vollautomatik-Modi zu meiden, denn erstens lernt man auf diese Weise nicht allzu viel und außerdem kann man viel mehr beeinflussen, wenn man selbst Hand anlegt. Aber wer im Automatik-Modus fotografieren möchte: gar kein Problem, die Fotos werden auch sehr gut.

Es ist unmöglich, in diesem Artikel alle Aspekte dieser Kamera zu beleuchten, deshalb verweise ich gerne auf die Produktseite und die Rezensionen bei amazon, falls Ihr Euch für diese wirklich gute, interessante und günstige Kamera interessieren solltet.

Hier mal ein paar Beispielfotos, die ich in den ersten Tagen aufgenommen habe.

Und wie geht es weiter? Nun, ich nehme die Kamera mit, so oft es geht. Habe ich doch jetzt die Freiheit, keinen dicken Spiegelreflex-Klotz mit mir rumschleppen zu müssen, aber dennoch eine vernünftige Kamera zu haben, die mir alle Freiheiten bietet. Ich habe letztens zu meiner Kollegin C. gesagt: „Eigentlich ist ja schon alles fotografiert, was man fotografieren kann.“ Ja, sollte man meinen. Es gibt so viele tolle Fotos, die man sich im Netz anschauen kann. So viele tolle Bilder, die man sich an die Wand hängen kann. Es ist aber eine Herausforderung, daran teilzuhaben, selbst neue Fotografien zu erschaffen, die man selbst mag und die auch anderen Menschen gefallen. Und jeder hat ja irgendein Thema, oder sogar mehrere, die einem persönlich am Herzen liegen. In meinem Fall sind es die Themen Einsamkeit, Stimmungen, Melancholie, eingefrorene Situationen, Sehnsucht. Ich mag die Bilder von Edward Hopper (ein Maler, kein Fotograf), die sich oft damit beschäftigen. Und sowas will ich auch festhalten, aber als Foto. Insofern ist nie alles fotografiert, die Geschichten sind nie auserzählt, es geht immer weiter.

Es liegt also eine spannende Reise vor mir und ich lasse Euch gerne daran teilhaben. Damit Ihr auch für Euch sagen könnt: „Nein, es ist noch nicht alles fotografiert!“. Und so sehe ich das auch. Und zum Schluss zeige ich Euch noch ein paar Bilder, die mir persönlich sehr am Herzen liegen, die ich aber mit anderen Kameras gemacht habe. Genau dahin geht meine weitere Reise, und noch darüber hinaus. Und zwar mit meiner neuen EOS M10.

 

Übrigens: Die Bilder in diesem Artikel sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht komCreative Commons Lizenzvertragmerziell 4.0 International Lizenz. Das heißt, Ihr dürft sie für nichtkommerzielle Zwecke verwenden, wie immer Ihr wollt. Mein Name muss aber genannt werden, wenn Ihr sie im Netz oder anderweitig verbreiten wollt. Sonst gibt’s leider einen Satz heiße Ohren. Vielen Dank für Euer Verständnis.

Über Martin

Ich bin der Chefredakteur des Loft 75, dem "Magazin für das 21. Jahrhundert im Stil der 70er". Geboren 1969 in einem kleinen Ort im "Welterbe Oberes Mittelrheintal", somit > 40 Jahre alt und gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert und besitze auf jeden Fall eine kreative Ader, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und jetzt wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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