Das phantomschwarze Sparmobil

Ein koreanischer Neuwagen mit 67 PS, der nur € 13.800 9.800 kostet – kann der überhaupt was taugen? Diese Frage lässt sich nicht kurz und knapp beantworten; ich würde zunächst einmal sagen: „Ja, für mich und viele Andere sicherlich das Mittel der Wahl!“. Und jetzt erzähle ich Euch, warum mein neues Auto das beste Auto ist, das ich kriegen konnte. Und warum man EU-Neuwagen kaufen sollte, statt ins Autohaus zu gehen.

Die Entscheidung für ein neues Auto

Ich fuhr seit 2 Jahren einen Audi A3 TDi, der viel dazu beigetragen hat, dass ich jetzt mehr graue Haare auf dem Kopf habe als die Jahre zuvor. Eigentlich bestand das Auto nur aus Reparaturen, Pannen und defekten Teilen. Tja, Lehrgeld bezahlt, könnte man sagen. Ca. € 5.000 Lehrgeld, zuzüglich der Anschaffung. Zusammen mit einem Verbrauch von knapp 6 Litern Diesel auf 100 km war das mit der Zeit echt tödlich, zumal ich täglich 180 km fahre. Ja, richtig gehört, denn ich arbeite im Westerwald und fahre täglich vom Bergischen Land aus dorthin. Nun möchte ja sicherlich niemand nur für sein Auto arbeiten gehen, zumal das gute Stück ja auch € 308,- Kfz-Steuer jährlich verschlungen hat. Also musste etwas Anderes, Sparsameres, Zuverlässiges her. Aber was?

Mein Ex-A3

Schön war er ja…

Schon früh fiel meine Entscheidung für ein Auto mit LPG (Autogas), denn das ist mit derzeitigen Preisen von ca. € 0,54/l ein Traum und genau das Richtige für mein gebeuteltes Portemonnaie. Ein Neuwagen schied kategorisch aus, weil ich ein Auto nicht mehr finanzieren wollte und außerdem war mir der Preis für einen Neuwagen viel zu hoch.

Also sollte es ein Gebrauchter sein. Aber hier haben wir wieder ein mittelgroßes Problem, denn auf LPG umgerüstete Benziner dürfen aufgrund der viel höheren Verbrennungstemperatur im Vergleich zu Benzin nie, aber wirklich nie mit Vollast gefahren werden, ansonsten riskiert man einen Motorschaden, weil die Ventilsitze nicht speziell gehärtet sind. Das würde also bedeuten, dass man mit max. 130 km/h unterwegs sein muss. Okay, das nehmen viele in Kauf, die ihren Benziner auf Gas umrüsten, aber das ist wirklich brandgefährlich, wie ich finde.

Durch einen Zufall wurde ich von einem Autohaus auf eine ganz andere Alternative aufmerksam gemacht. Als ich nämlich meinen A3 verkaufen wollte, ging ich zu besagtem Autohändler und erzählte ihm, dass ich mir wohl oder übel ein gebrauchtes LPG-Auto kaufen will, um meine Fahrtkosten in den Griff zu bekommen. Die überraschende Antwort des Händlers: „Nein, das sollten Sie nicht machen, ich gebe Ihnen eine Alternative. Sie kaufen sich einen nagelneuen Hyundai i10, den gibt es ab Werk mit Autogas, den kann ich Ihnen für € 13.800 anbieten!“ So, da war sie also, die Alternative, über die ich nie nachgedacht hatte! Mir war nicht bewusst, dass es so ein Auto für diesen Preis gibt.

Mein Kollege Thilo hatte sich Anfang des Jahres einen Neuwagen im Internet bestellt, hat mehrere Tausend Euro gespart und ist hochzufrieden. Also beschloss ich, mich dort auch mal umzuschauen. Fündig wurde ich über die Neuwagensuche bei mobile.de und ich staunte nicht schlecht, als ich dort den Preis für ein sogar besser ausgestattetes Modell des i10 mit Autogas fand: € 9.800 – somit € 4.000 weniger als beim Hyundai-Händler! Ich las mir die Bewertungen für den Händler durch – alles tip top. Aber wo war denn gleich der Haken..?

Es gibt keinen. Es handelt sich um sog. EU-Neuwagen, die in großen Stückzahlen aus europäischen Ländern gekauft werden. Der enorme Preisvorteil kommt dadurch zustande, dass z.B. in skandinavischen Ländern auf Neuwagen eine Steuer von bis zu 180% erhoben wird, dadurch ist aber der Grundpreis des Autos von vornherein wesentlich billiger (sonst könnte sich kein Däne oder Schwede jemals ein Auto leisten). Diesen Preisvorteil geben EU-Neuwagenhändler an den Kunden weiter und so entstehen diese erheblich günstigeren Preise im Vergleich zu einem deutschen Autohaus. Und oft bekommt man auch eine bessere Ausstattung als beim „normalen“ Händler, da die Varianten sich in jedem EU-Land unterscheiden.

Früher wurde gerne damit argumentiert, dass EU-Neuwagen nicht der „richtigen“ Garantie unterliegen, wichtige Ausstattungsmerkmale fehlen und die Ausführung eher „einfach“ ist. Bullshit. Die Garantie gilt grundsätzlich europaweit (ein Hoch auf die EU), die Ausstattung ist oftmals sogar besser (in meinem Fall: Metalliclackierung, 4 el. Fensterheber, Klimaanalge, schönere Stoffvarianten im Innenraum und MP3-Audiosystem gab’s für den Preis dazu) und der Rest der Ausstattung sowie das Innen- und Außendesign sind identisch zur deutschen Ausführung. Es gab für mich keinen Grund mehr, nicht einen EU-Wagen zu kaufen. € 9.800 passten auch haarscharf in mein Budget.

Angenehme Erfahrungen beim Neuwagenkauf

Das letzte Finish

Nachdem wir es also geschafft hatten, meinen A3 endlich zu verkaufen (das ist fast schon einen eigenen Artikel wert,

was wir da erlebt haben), schauten wir bei CC-Automobile in Düren vorbei, um uns den i10 näher anzuschauen und eine Probefahrt zu machen. Zunächst einmal fiel auf, dass die Firma CC-Automobile – ein Mehrmarken-Autohaus – einen absolut freundlichen und kompetenten Eindruck auf uns machte. Nix mit Hinterhof-Bude und unrasiertem Verkäufer, der sich nicht mehr an die eigenen Preise erinnern kann und den Eindruck eines osteuropäischen Hütchenspielers erweckt – stattdessen ein junges, nettes Team in einem schnieken Gebäude mit Showroom und ein sehr sympathischer und verbindlicher Chef, Herr Cetin. Mit ihm ging es dann auch gleich in medias res: wir schauten nochmal über sein Angebot bei mobile.de, der günstige Preis wurde bestätigt (Anm.: Preis ist jetzt sogar nochmal um € 400,- gefallen) und wir konnten auch direkt eine Probefahrt machen.

Was jedem klar sein sollte: ein Auto mit 67 PS ist kein Beschleunigungswunder und für weniger als 10.000 Euro kann man auch keine Ledersitze, Alufelgen und anderen schönen Schnickschnack erwarten. Das war mir alles klar, denn was ich wollte, war:

  • geringe Spritkosten
  • geringe Unterhaltskosten
  • ein schickes Auto, mit dem man sich nicht schämen muss
  • MP3 und Klimaanlage
  • vernünftige Verarbeitung
  • wenig Kfz-Steuer, wenig Versicherung
  • angemessenen Komfort

Und nachdem wir eine ca. 20-minütige Fahrt zu dritt gemacht hatten, war mir klar, dass er all‘ das bietet, was ich mir wünsche. Der Kaufvertrag war schnell aufgesetzt, das Auto konnte 3 Tage später abgeholt werden.

Am Tag der Abholung kam ich mit meinem Schwiegervater in Düren an, der i10 wurde gerade noch fertig ausgesaugt, ansonsten war er komplett aufbereitet und stand schwarz und schick im Showroom. Nachdem wir noch einen Kaffee bekommen hatten, fuhr Herr Cetin den Kleinen, der auch schon Nummernschilder hatte (das ehemalige Kennzeichen von Ina!), raus und übergab uns den Schlüssel.

 

Mein Fazit nach 2 Wochen mit dem i10

Mittlerweile hat er schon über 2000 km drauf, wir sind auch schon mit ihm in den Holland-Urlaub gefahren. Außerdem fahre ich jeden Tag zur Arbeit und wieder zurück. Und ich bin immer noch begeistert von meinem kleinen i10. Der Spritverbrauch hält sich in Grenzen, ich verbrauche ca. 7 Liter Gas auf 100 km, das entspricht preislich einem Diesel, der einen Verbrauch von 3,5 Litern hat. Ich versuche, den Vebrauch noch ein bisschen zu optimieren, da geht noch was.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden und freue mich jeden Tag, mit meinem neuen i10 zu fahren. Auch der Holland-Urlaub war kein Problem, wir haben unser Gepäck problemlos in den Kofferraum bekommen und wir reisten komfortabel. Die Klimaanlage klappt ordentlich, das Radio ist akzeptabel (ok, ein Bose-Soundsystem ist es nicht gerade, aber es reicht) und alle Materialien, die Sitze, Hebel und Schalter machen einen hochwertigen Eindruck.

Wer ein günstiges, neues Auto sucht, viel fährt und einen für kleines Geld mehr als ordentlichen, sparsamen Kleinwagen sucht, der zwar kein Beschleunigungswunder ist, aber seinen Job sehr gut macht, sollte definitiv über einen i10 mit LPG nachdenken. Für mich ist es das Optimale (und nein, ich kriege kein Geld dafür, dass ich hier lobhudele).

Noch eine Randnotiz zum Thema „Design“

Alle Hyundais und KIAs werden seit einigen Jahren von Peter Schreyer designt, einem der besten Automobildesigner der Welt, der unter anderem den Golf IV, den Beetle und den Audi A2 gestaltet hat. Das habe ich eher zufällig erfahren. Wer ein interessantes Interview mit ihm lesen will, schaut mal hier. Und wer noch mehr über ihn wissen will, schaut hier. Aber das nur so am Rande.

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Über Martin

Ich bin der Chefredakteur des Loft 75, dem "Magazin für das 21. Jahrhundert im Stil der 70er". Geboren 1969 in einem kleinen Ort im "Welterbe Oberes Mittelrheintal", somit > 40 Jahre alt und gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert und besitze auf jeden Fall eine kreative Ader, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und jetzt wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
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