Das Grauen im Thermalbad

Ja, eine Institution war es wirklich, das Thermal-Schwimmbad in meinem Heimatort. Damals – in den 80ern und 90ern – hatte eine Eintrittskarte gerne mal 14,- DM gekostet, das war richtig viel Geld. Aber es wurde auch eine Menge geboten: Schwimmen in feinem Mineralwasser, Wellness (den Begriff gab es damals noch gar nicht), Dampfbäder, Whirlpools, Kneipp- und „Wassertretbecken“ – das Ganze inmitten des Kurparks und auf Wunsch per badeärztlichem Rezept. Inclusive Saunalandschaft und „internationalem Flair“.

Hier fuhr man hin, wenn man es sich mal richtig gut gehen lassen wollte. Eine feste Adresse mit gehobenem Anspruch. Und ab 1998 ging es dann bergab: massive Bauschäden, die durch den damaligen Betreiber ignoriert wurden, Einsturzgefahr durch von Feuchtigkeit zerfressene Träger. Das Thermalbad wurde stillgelegt. Und verfiel…

Heute ist das angrenzende Hotel in anderer Hand; die Besitzer haben mehrmals gewechselt. Was übrig bleibt, ist ein Schandfleck. Nicht nur, dass der angrenzende Kurpark immer mehr verlottert (anscheinend fühlt sich niemand mehr zuständig), auch das besagte, an das Hotel angrenzende Schwimmbad ist dem Verfall preisgegeben. Kurioserweise kann man das Gelände ungehindert betreten, und so habe ich die Gelegenheit genutzt, um einige Fotos zu machen. Vom ehemaligen Stolz meiner Heimatstadt, der zu einem „Lost Place“ verkommen ist.

Um die Situation zu verdeutlichen, zeige ich Euch zunächst einen Vorher-Nachher-Vergleich (Klicken vergrößert – bei allen gezeigten Bildern).

Die Perspektive ist nicht die gleiche, aber das Unheil lässt sich ernahnen. Und nun die Bilder des Verfalls im Detail.

 

Es ist merkwürdig und verwirrend, wenn man den Verfall eines Ortes, der viele Jahre voller Leben war, live miterlebt. Aber klar, die Instandsetung ist nicht mehr möglich, weil die Schäden zu groß sind. Ein Abriss kostet aber auch eine ganze Menge Geld. Und nun? Wir werden also mit einem „Lost Place“ leben müssen, der mitten in unserem ehemals schicken Kurviertel entstanden ist. Aber auch der Rest des Kurviertels verfällt langsam, weil die Stadt anscheinend keinen Sinn mehr darin sieht, sich als Kurstadt zu profilieren. Und diesen Status sowieso schon seit Jahren aberkannt bekam. So – who cares..?

Lost Places – verfallene, aufgegebene Orte der Neuzeit.

Gibt es in Eurer Umgebung welche? Und wenn ja, dann wäre ich an Bildern interessiert. Denn der Verfall ist und bleibt faszinierend. Weil er vom Verlauf der Zeit erzählt…von stolzen Bauwerken und ihren kümmerlichen Überresten.

Über Martin

Ich bin der Chefredakteur des Loft 75, dem "Magazin für das 21. Jahrhundert im Stil der 70er". Geboren 1969 in einem kleinen Ort im "Welterbe Oberes Mittelrheintal", somit > 40 Jahre alt und gebürtiger Rheinland-Pfälzer. Ich habe mich bereits 1987 für Computer interessiert und besitze auf jeden Fall eine kreative Ader, schreibe gerne und interessiere mich für Design, Einrichten, Internet, Kochen, Blogging und alles, was außergewöhnlich ist und außergewöhnlich gut aussieht. Privat wohnte ich in Koblenz am Rhein - in dem besagten Loft, das keins ist. Und jetzt wohne ich im Bergischen Land. Ich freue mich, wenn Du dieses Magazin magst - lesen wir voneinander..?
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

23 Kommentare

  1. Solche Orte sind sehr schön/traurig anzusehen. Einerseits echt schade um den Ort (gibts in Berlin auch genug), aber anderseits ein schöner Ort für Fotos.

    • Ich mag solche „Lost Places“ – oder wie der Brite sagt – Abandoned Places sehr gerne. Ich überlege mir dann immer, wie sie in der Vergangenheit ausshane, dass sie einen Sinn hatten, dass sie benutzt wurden, dass hier Menschen ein und aus gingen. Und wie dann der langsame Verfall eingesetzt hat, als die Menschen den Ort aufgegeben haben. Eine faszinierende Vorstellung für mich.

      Es gibt ganze Geister-Dörfer, und zwar oft dort, wo es Braunkohle-Bergbau gab und die Dörfer geräumt werden mussten, weil dort abgebaut wurde. In der Nähe von Bergisch-Gladbach gibt es einige; ich habe mir schon lange vorgenommen, da mal hinzufahren.

  2. Was ein wundervolles Motiv!!! Darf ich fragen wo sich das Schwimmbad befindet? Es würde mich überaus glücklich machen wenn ich dort Fotos machen könnte!!

    • Hey David, schön, dass Du hierhin gefunden hast. Das Schwimmbad ist das alte „Dorint-Hotel“ in Lahnstein. Das Hotel ist jetzt ein Mercure, aber die ehemaligen Wandelhallen zum Schwimmbad sind noch offen – warum auch immer. Da wird nichts mehr gepflegt und durch eine simple Tür nach außen kann man das verfallene Schwimmbad betreten. Ist schon gespenstisch. Vor allem, wenn man diese Location noch anders in Erinnerung hat.

      In Lahnstein gibt es auch einen alten Güterbahnhof, dort habe ich mit Yve mal Fotos gemacht. Sehr spannend! Auf Deinem FB-Headerbild habe ich gesehen, dass Du „Lost Places“ wohl auch gerne magst 😉

  3. Der war wirklich spannend, das stimmt.

  4. Auch ich habe das Bad auf der Hoehe frueher regelmaesig besucht.
    Die Fotos sollten den Verantwortlich jeden Tag vor die Nase gehalten
    werden, egal ob Stadtverwaltung, Touristinformation, usw.
    Ob die Ruine ein Teil es Weltkulturerbe ist?

  5. Heute war ich am Kurpark und habe fast einen schlag bekommen, als ich das vom weiten gesehen habe… es ist irgendwie interessant aber auch traurig… es ist fast wie die malbergbahn in bad ems…

    • Hi, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich war die letzte Woche im Urlaub, daher die späte Freischaltung. Ich finde es einen Jammer, dass die Stadt Lahnstein da nichts unternimmt…

  6. Es macht mich traurig diese Bilder zu sehen. In den 80ern war ich zum ersten Mal dort. Da hatte das Dorint Hotel noch den 70er-Charm. Jahre später wurde renoviert und modernisiert. Für die damalige Zeit ein Fortschritt. Ich habe mich im Hotel und im Thermalbad immer sehr gut erholt und entspannt. Ja, man ist zur Erholung dort hingefahren. Schade, dass es das nicht mehr gibt. Gerade die Kombi von Hotel und Thermalbad mit Bademantelgang (so hieß das damals) fand ich sehr schön.
    Eine kleine Geschichte zum Hotel:
    In den 90ern habe ich dort mal während meines Aufenthaltes Ephraim Kishon gesehen. Sein Benehmen war sehr merkwürdig. Beim Frühstück nahm er einen Einkaufsbeutel mit zum Buffet und füllte diesen mit allem Abgepackten, was da war: Butter, Marmelade etc. Dann nahm er einen großen Löffel und probierte direkt aud den großen Schüssel Quark und Joghurt. Gäste und Personal haben reichlich gestaunt, aber gesagt hat niemand etwas.

    • Hallo Ute, bitte entschuldige, dass ich Deinen Kommentar erst jetzt genehmige und beantworte. Leider kümmere ich mich seit einiger Zeit nicht mehr viel um mein Blog, weil ich irgendwie andere Interessen habe. Schade eigentlich, ja.

      Im Dorint war ich auch immer gerne, besonders im Winter, wenn es dunkel war und das Außenbecken so schön am dampfen war. einfach gemütlich und erholsam. Später haben sie dann ja irgendwann das komische Gestrüpp um das Heißwasserbecken gelegt, das sah schon nicht mehr gut aus. Ich glaube, ich war zuletzt 1996 da.

      Das mit dem Kishon ist ja merkwürdig. Man denkt immer, dass das so ein weltmännischer und „normaler“ Mann sei, aber das Benehmen, das Du schilderst, passt ja gar nicht dazu. In manchen Menschen täuscht man sich eben. Aber kurios ist es allemal 😀

      Viele Grüße aus Koblenz sendet Dir Martin

  7. Ich vermissen Es‘ sicher, zwei mal pro jahr sind wir hierin gefahren fur einde woche zu erhohung ich suche noch immer ein platz wo. ich jetz hinfarher kann, so sohn war Es‘, jaren hebben wir auf der hohe verkracht, aber nur fur das welness center jetz fahren wir nicht mer nach lahnstein, schade is es

  8. Jörg Görbing

    Welch erschütternder Einblick. Auch ich war damals in den 70ern mit meinem Vater öfters dort. Es kommen Kindheitserinnerungen hoch. Vom Parkplatz aus gings über eine kleine Einkaufsstraße (2-3 Shops) zum Eingang des Bades. Ich durfte mir damals immer ein Yps-Heft kaufen :-). Vom Hotel aus gabs auch einen unterirdischen Gang direkt darunter. Ich kann mich sehr gut daran erinnern. Im Bad selbst waren überall Schilder ‚kein sportliches schwimmen erlaubt‘, man durfte nicht tauchen uns es gab Badekappenplicht. Für mich als Kind ein Graus. Aber ich hatte ja ein Yps-Heft und bekam mittags eine Pommes. Anfangs hatten die noch nicht mal einen Whirl-Pool, der kam später in den 80ern dazu. Schade wie es jetzt aussieht aber das ist nunmal leider der Zahn der Zeit. Haben auch im Kurpark manchmal einen kleine Partie Schach mit 30-40 cm großen Schachfiguren gespielt.

    • Hallo Jörg, danke für Deinen Kommentar 🙂 Bei mir war es als Kind äühnlich; ich habe dann irgendwann nachmittags eine heiße Wurst von der „Badebar“ bekommen. Auch später, Anfang der 90er, war ich noch oft da, gerne Abends, wenn alles dunkel war und das Wasser im Außenbecken dampfte.

      Ich frage mich nur, warum die Stadt Lahnstein nichts gegen diesen Verfall unternimmt – Kosten hin oder her. Irgendwas muss man da doch tun…

  9. Rosemarie Emmrich

    Ich war am 28.7.2016 am ehemaligen Dorit Hotel und wollte mal schauen wie es in dem damals schönen Schwimmbad aussieht. Ich war entsetzt. Im Moment bekommt die Tiefgarage eine neue Abdeckung von oben. Aber es kam noch schlimmer. Diese schöne Anlage ist von der Natur fast wieder zurück erobert worden. Im Außenbereich stehen hohe Bäume. Auf den ehemaligen Außensitzplätzen wächst fast meterhoch das Gras. Es ist sehr schade wie so ein schöner Platz sich selbst überlassen wird. Auch mir kamen Gedanken von früher in den Sinn wie viele schöne Stunden ich dort erlebt habe. Und nun sieht alles so heruntergekommen aus. Auch ich bin oft abends nach der Arbeit auf die Höhe gefahren, um dort vom Tagesgeschäft etwas abzuschalten. Besonders im Winter habe ich das warme Wasser im Außenbecken und die daraus aufsteigenden Nebelschwaden genossen. Nun ist alles dem Verfall übergeben – schade, schade. Ein paar Bilder habe ich davon, aber diese können eigentlich nur traurig machen. Der angrenzende Ernst Wagner Park hätte auch einige Erneuerungen nötig. Es ist unverständlich …

  10. Echt traurig … ich war auch oft da und hatte immer darauf gehofft, es fände sich ein neuer Investor – aber falsch gehofft. Aktueller Hotelbetreiber ist jetzt das https://www.wyndhamgardenlahnstein.com/de
    Schön wäre es gewesen ….

  11. Äußerst schade der derzeitige Zustand, bedenkt man, dass das Bad früher ja richtig gut besucht war. Allerdings erinnere ich mich auch an den Kommentar eines damaligen Dauergastes, ein Steuerberater, der meinte: wenn die Krankenkassen mal nicht mehr das baden im Thermalwasser bezahlen und man die Freikarteninhaber wegrechnet, dann ist hier schnell das Licht aus, dann trägt es sich nämlich nicht mehr. Wie recht er hatte.

  12. DANKE für den Artikel über das Themalbad. Wir waren dieses WE im Wyndhamgarden lahnstein und natürlich interessierte es mich was das früher für ein Freibas war und unter welchem Namen das Hotel früher lief.Aus dem 14. Stock sieht es gespenstisch aus dort auf das zerfallene Bad zu schauen. Auch drumherum war es nicht gerade sehr einladen, was aber auch an dem Februar Wetter gelegen haben kann. Wir fragten uns ob diese ganze Gegend darunter gelitten hat das Bonn nihct mehr Hauptstadt ist ? Lieben Gruss Jenny

  13. Oh mann… Bin etwas geschockt. War in meiner Kindheit oft mit meinen Eltern dort und das war irgendwie immer ein Highlight. Kurz bevor es geschlossen wurde war ich auch noch mal da und habe immer gehofft das sich noch mal ein Investor findet der das schöne Thermalbad wieder eröffnet. Der Zug ist wohl abgefahren… Schade eigentlich. Es war ein tolles Bad…vielleicht fahre ich demnächst mal vorbei und sehe es mir an und mache ein paar Bilder ehe alles abgerissen wird.

  14. HAllo an alle, ich kam leider lange nicht mehr dazu, in mein Blog zu schauen. Vielen Dank für die Erinnerungen, die Ihr aufgeschrieben habt. 🙂

  15. Bin sehr enttäuscht über die traurigennachrichten habe meine kinder und jugendzeit dort vollbracht wollte eigentlich am Wochenende mal entspannen und dort hinfahren jetzt bin ich nur enttäuscht und sehr traurig wie es aussieht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.